Johannes Wieland
New York ist ein verlassener Fleck Erde. Verlassen von den logischen Prinzipien.
Ein freischaffender Choreograf in New York zu sein, ist eine eingeschränkte Selbstmorderklärung. In einer Stadt mit dieser unheimlichen Choreografendichte und unzähligen erschwerenden Umständen mutiert man selbst täglich zu einer Problembewältigungsmaschine. Einerseits. Andrerseits eröffnet sich mit jedem einzelnen Hindernis auch eine neue Möglichkeit. Vielleicht auch zwei. Vielleicht auch einfach nur Einbildung.
New York verschlingt sich jeden Tag selber, und dich gleich mit, immer darauf bedacht, gerade mal so viel von deinem Überlebenswillen zurückzulassen, dass du nicht aufgibst. Es befindet sich in einem nicht enden wollenden Chaos. Man muss diese Stadt schon wirklich lieben, um sie länger auszuhalten.
New York ist gut zu mir. New York ist eine gute Freundin. Eine, die dir immerzu erklärt, wie spannend das Leben sein kann und dass du bloß nicht aufhören sollst, dieses Gefühl von hier und jetzt zuzulassen. Es ist eine anstrengende, schwierige Freundin, denn sie erinnert dich gleich danach daran, dass du noch deine astronomische Miete bezahlen und Probenräume buchen musst: eine tagesfüllende Aufgabe.
Da ...
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Die Anekdote wird immer wieder gern zitiert: Josef Nadj, der gelernte Grafiker, wurde kein Tänzer, sondern lernte die Kunst der Mimen. Doch für diese Sparte gab es im französischen Kulturministerium keinen zuständigen Beamten. Von Geldern ganz zu schweigen. Also bezeichnete er sich als Choreograf. Heute leitet er eins der neunzehn Centres chorégraphiques nationaux,...
Ondiege Matthew aus Nairobi ist irritiert: «Wasn’t it disgusting for you at all?», fragt der kenianische Choreograf in die Runde. Das Düsseldorfer Publikum, das sich im tanzhaus nrw angewöhnt hat, seine Eindrücke nach der Vorstellung in einer gruppendynamischer Sitzung loszuwerden, schüttelt vehement die Köpfe. Nein, aber wir waren betroffen, sagen sie tapfer: «Vor...
Stille. Zwölf Tänzer strömen ins Bild, verteilen sich in einem großflächigen, mit blauem Klebeband markierten Quadrat. Dann: Die Tonspur stürmt los, die Interpreten auch. Es beginnt ein endloses Bewegen, man eilt, dreht sich, immer verankert; gestreckte Arme sind Hebel, Körper sind Massen; mit einem Griff werden auf dem Bauch gestrandete Tänzer auf den Rücken...
