Mein wunderbarer Waschsalon
Gustave Flaubert, 1851 von einer Orientreise heimgekehrt, schwärmte von der arabischen Tänzerin und Kurtisane Kutchuk Hanem, die ihm so völlig eins erschien mit sich selbst wie eine Katze. Der französische Schriftsteller beschrieb passagenlang ihre willkürlich und animalisch wirkenden Bewegungen, die Grace Ellen Barkey von zwei Männern tanzen ließ, Claude Godin und Eugenio Jimenez. Die beiden forderten einen hinreißenden Striptease heraus, damals entblößte sich Petra Bolte über dem Leib des Schauspielers Mil Seghers, und ein Gedicht von e.e. cummings wurde aufgesagt.
Diese so unverfrorene, so warmherzige Körperlichkeit und Ungeschütztheit ihrer ersten Choreografie «One» von 1992 wurde legendär. Als Grace Ellen Barkey später die Teetrinkerin im Stück «No Comment» ihres Lebensgefährten Jan Lauwers tanzte, thronte sie auf Knien im kostbaren Seidenkleid. An den Gelenken klimperte eine wilde Schmuckpracht, die Finger verselbstständigten sich wie im indischen Bharatanatyam. Der reich verzierte Helm, den sie trug, war ein Kunstwerk: Plättchen, Spiegel, kleine Antennen, ihr Kopf war übersät mit Geschmeide. Grace Ellen Barkey tanzte damals reinsten Exotismus. Und Flaubert und der ...
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2004 stellte Hal Foster in der Zeitschrift «October» einen «archivarischen Impuls» fest, eine Lust an der Retrospektive, die überall zu sehen war: in der Video- und Medienkunst, der Fotografie, der Installation, der Performancekunst und im Tanz. Es begann der Aufstieg einer Bewegung namens «Re-Enactment». Darunter verstand man bis dahin vor allem volkstümliche...
Die beiden gehören zu den wenigen Niederländern, deren Arm aus der freien Szene heraus tief hinein in die deutschen Stadttheater reicht. «Sporen» heißt das 2003 entstandene Werk von Andrea Leine und Harijono
Roebana, das nach einer erfolgreichen Amerikatournee (welche freie Gruppe bekommt das schon hin?) ihren Mix aus Barockmusik und zeitgenössischen Komponisten...
Für eine Entdeckung, und sei sie noch so entlegen, ist der Mann immer zu haben. «Vor ein paar Monaten», erzählt Jason Beechey, Leiter der Dresdner Palucca-Schule, «hat mir eine Mitarbeiterin einen Text in die Hand gedrückt. Darüber stand ‹Tanzabstraktion›, und das Ganze las sich absolut zeitgenössisch.» Beechey rätselte, wer wohl diese knappen Direktiven zu Papier...
