limen & dyad 1909
Wayne McGregor ist vieles: eloquent, hochintelligent, neugierig; er überschreitet gern die Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft, ist ein guter Partner für seine unterschiedlichen Mitstreiter. Ein Theatermann ist er, aber choreografisches Genie und Vielseitigkeit fehlen ihm. Die Entwicklung von «Chroma» (2006) über «Infra» (2008) bis zu seinem jüngsten Werk «Limen» – alle für das Royal Ballet – zeigt gewisse choreografische Fortschritte. Nur ist Fortschritt eigentlich ein zu großes Wort.
Die Stücke sind alle vergleichbare Variationen über abstrakte, schwer fassbare Ideen und liefern sehr ähnliche Ergebnisse. McGregor diskutiert dabei gern die intellektuellen Fundamente seiner verschiedenen Arbeiten und beschwert sich darüber, dass die Leute erwarten würden, dass seine Stücke diese Grundgedanken auch illustrieren oder repräsentieren. Ist ja in Ordnung, dass er seine ursprünglichen Ideen ehrlich erläutert, aber dann überlässt er es den Stücken, für sich ganz allein zu sprechen.
Das Hauptproblem bei der Intellektualisierung der naturwissenschaftlichen oder philosophischen Standpunkte, die eine zeitgenössische Choreografie angeregt haben, ist der hohle Klang von solchen Ideen, wenn ...
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So viel Sehnsucht. So viel Hoffnung auf den «Wundermann», auf Martin Schläpfer, den toptalentierten Choreografen, der als Ballettdirektor Düsseldorf/Duisburg endlich zu überregionalem Tanzruhm verhelfen soll. Wunder hat er schon vollbracht, als er in der einstigen Tanzprovinz Mainz eine erstklassige Truppe etablierte.
Die brachte er nun mit ins neue Domizil,...
«Wenn Spitzenschuhe von Experten benutzt werden, sind sie ein Werkzeug des Ausdrucks», sagt William Forsythe. Sein Düsseldorfer Kollege Martin Schläpfer pflichtet ihm bei: «Der Gebrauch des Spitzenschuhs im Kunsttanz ist künstlerische Wahrheit – keine Wahl, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes Bedürfnis, sich so und nicht anders ausdrücken zu wollen....
So sanft wurde auf der Bühne noch keine Carmen gemordet. Don José zieht ihr das schwarz-rote Schleppenkleid aus, und die untreue Geliebte schreitet in dunklem Trikot nach hinten ab, einem leise flatternden Vorhang entgegen, der sie schließlich verschluckt. Es ist der einzige poetische Moment in Cayetano Sotos Dortmunder «Carmen». Der junge Katalane will es anders...
