Wider das Vergessen
Wie kommt eine französische Tanzwissenschaftlerin dazu, sich ausgerechnet mit einem typisch deutschen Thema zu befassen? Durch Zufall. Über Umwege. Ich komme aus Lille, habe dort Geschichte und Literatur studiert und wollte in Paris am Sciences Po eigentlich meinen Master machen. Natürlich setzte ich auch meine Tanzausbildung fort, und das bei Karin Waehner, einer Wigman-Schülerin der Nachkriegszeit, die in der französischen Hauptstadt an der Schola Cantorum unterrichtete.
Als uns die Professoren am Institut für politische Studien empfahlen, über unerforschte Archive zu arbeiten, unterhielt ich mich darüber mit Karin, mit der mich inzwischen eine Freundschaft verband. Sie riet mir, mich mit dem Nachlass von Mary Wigman zu beschäftigen, der damals gerade der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Und das fand ich ganz folgerichtig, nachdem ich den Ausdruckstanz sozusagen am eigenen Körper erfahren hatte. Mit Feuereifer stürzte ich mich in die Arbeit.
Offenbar mit Erfolg. Ihre Doktorarbeit entstand in diesem Zusammenhang. Ja. Der Wigman-Nachlass in der Berliner Akademie der Künste war auf einer künstlerischen und pädagogischen Ebene absolut interessant. Aber in ihm fanden sich kaum ...
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Tanz März 2017
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Hartmut Regitz
Zwei Herren kreiseln mit ihren Schultern. Die eng am Körper geführten Arme sehen aus, als drehten sie am Rad, als kurbelten sie eine Spieluhr an, als bewegten sie jenes suboptimale Hamsterrad, das man Leben nennt und von dem keiner weiß, ob es einem selber gehört oder einem ganz besonderen Treibstoff gehorcht: der Angst. Wie tief diese Angst sitzt, darauf zeigt der...
Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: die charismatische Cabaret-Tänzerin Jane Avril, die zur Muse von Henri Toulouse—Lautrec avancierte, die legendäre Hysterie-Patientin Blanche Wittman, deren «Vorstellungen» in der Pariser Salpêtrière sich seinerzeit keine illustre Persönlichkeit entgehen ließ, und die zweifache Nobel-Preisträgerin Marie Curie, die...
3d-film: womb
Genf ist berühmt für den Teilchenbeschleuniger CERN und einen Cho-reografen, der sich in Quantenphysik übt: Gilles Jobin (tanz 4/16). Für so einen ist es ein Kinderspiel, auch mal mit handelsüblicher Fortschrittsware umzugehen, mit Virtual Reality in seinem aktuellen Projekt «VR-I» oder mit 3D in seinem 30-minütigen Film «Womb». Da das Natur-3D der...
