Gelsenkirchen: Bridget Breiner «Romeo und Julia»
Wer von der großen Liebe erzählen will, erzählt auch vom Hass. Wer die Familien Montague und Capulet aufeinandertreffen lässt, gerät auch in einen Sog von Gewalt und Mord. Das macht Bridget Breiner in ihrer atemlos auf das entsetzliche Ende zusteuernden Choreografie schon in den ersten Minuten klar. Eine mysteriöse Spukgestalt eröffnet den Abend und lüftet den Vorhang vor einem kriegerischen Tableau. Eine Kapuze verbirgt ihr Gesicht wie beim mittelalterlichen Sensenmann.
Aber sie ist eine Allegorie für die Zeit, für das stets unglückliche Timing in Shakespeares Drama, das etwa Romeo am Ende winzige Sekunden zu früh zum Dolch greifen lässt. Einen Moment später, und er hätte bestaunen dürfen, wie seine Julia von den Toten aufersteht.
Bridget Breiner nähert sich der süß-schmerzlichen Tragödie mit großer Geste. Die Ballettdirektorin war selbst einst die Julia in Deutschlands berühmtester Version von John Cranko. Und wie der Meister so legt auch Breiner viel Wert auf Verständlichkeit der Lovestory, wenn auch mit spürbarer Ambition zur Abstraktion. Bühnenbildner Jürgen Kirner hat wandelbare Gerüste aus Holzgitterstäben gebaut, die auch während der Tanzpassagen in Bewegung bleiben. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz April 2018
Rubrik: Kritik, Seite 39
von Nicole Strecker
Maura Morales stellt kein identifizierbares Ego auf die Bühne. Deshalb der Titel des Solos, «Exceso de la Nada» – «Überfluss des Nichts» –, der auf etwas Uneingrenzbares deutet. Die Choreografin und Tänzerin vergegenwärtigt Erinnerungen, im Körper lebend. Sie sind in Kuba verortet, das sie 1996 Richtung Düsseldorf verließ, auf das «Nichts» im Überfluss, als...
move!
Im Spagat rotieren, Salto schlagen, wie eine Turbine um die eigene Achse sausen – und das ohne jeden Kontakt zu Mutter Erde: Wer je vom Abheben geträumt hat, wird sofort mitmachen wollen, wenn die Tänzerin und Choreografin Sylvia Camarda in den gläsernen Vertikalwindtunnel steigt. Der sieht aus wie ein großes Goldfischglas ohne Wasser und gibt dem Körper...
Tanztheater Wuppertal
Der erste Anlauf ging daneben, im zweiten Anlauf könnte es etwas werden mit einer sehenswerten Uraufführung für Pina Bauschs Wuppertaler Tanz-theater, das jahrzehntelang auf die Kreationen seiner Gründerin abonniert war. Dimitris Papaioannou (Foto, siehe tanz 10/17) macht im Mai für die Kompanie ein «Neues Stück» – hohe Aufmerksamkeit...
