Body-Shopping
Jubelrufe, Standing Ovations. Die Sydney Dance Company feiert -einen Triumph. Was für Tänzerinnen und Tänzer! Sämtlich stark in ihrer Präsenz, athletisch, beweglich, musikalisch, diszipliniert und wohltrainiert. Siebzehn in Körpergröße und -modellierung ganz unterschiedliche Typen geben im Wallen der Theaternebel, auf den Wogen der mächtigen Musik und im Bad des dramatischen Lichts eindrucksvolle Erscheinungen ab. Ihre Namen – etwa Chloe Leong, Davide Di Giovanni, Dimitri Kleioris oder Emily Seymour – deuten auf unterschiedliche Herkünfte hin.
Rafael Bonachela, der Choreograf ihres Stücks «ab [intra]», ist in Barcelona geboren. Dazu passend gibt der schnittige Baukörper des Festspielhauses in der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten mit seiner großzügigen Bühne einen weltläufigen Raum ab. Das Stück selbst verkörpert den Kern des europäisch-amerikanischen Bühnentanzes, wie er sich aus der Weiterentwicklung des Balletts dank Fusion mit Merce Cunninghams Moderne gebildet hat. Es ist ein solides, aus dem Selbstbewusstsein einer kulturellen Globalisierung geborenes Kulturprodukt.
Universelle Körper
Einerseits wirken die Gestalten der Tänzer in ihrer Individualität so ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Body-Shopping, Seite 72
von Helmut Ploebst
In Paris war es eine gute Spielzeit für Liebhaber von Tschaikowskys «Schwanensee», für die Fans, die sich nicht sattsehen können an diesem choreografischen und musikalischen Monument und darauf brennen, die psychoanalytisch verankerte Nurejew-Fassung von 1984 immer wieder auf ihre Schlüssigkeit hin abzuklopfen. Der damalige Ballettchef schuf ein höllisches Quartett...
Im September 1993 vor der Premiere von «Nine Songs» erhielt ich in meiner Garderobe ein Geschenk: eine vergoldete Buddha-Statue im Thai-Stil. Anstatt sie mit nach Hause zu nehmen, beschloss ich, sie bei meiner Kompanie, dem Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan, zu belassen. Wir errichteten ihr einen kleinen Schrein in unserem Studio und huldig-ten ihr jeden Tag. Da...
Der Kleider- und Mode-Fetischismus der Gegenwart, er wurzelt nicht zuletzt: im Mittelalter. Damals wurde die Pracht von Gewändern ein Medium der Repräsentation für geistliche und weltliche Eliten – was sich an Gemälden nachvollziehen lässt. Denn im 15. Jahrhundert erlangte die Malerei die Fähigkeit, die textile Stofflichkeit im Malraum zu vergegenwärtigen. Das...
