Déjà Donné: «My Name is King»

London: Dance Umbrella

Tanz - Logo

In Padua ist im August ein ganz besonderes Bauwerk errichtet worden. Die Einheimischen nennen es ihre «Berliner Mauer» – eine übermannshohe Metallkonstruktion rund um das von Immigranten bewohnte Via Anelli Wohnprojekt. Alle fühlen sich jetzt sicherer voreinander. Drinnen: Drogen, Armut, Berge von stinkendem Abfall. Draußen sauberer Rassismus, gepflegter Konsum, der Dreck hinterlässt und auf Ausbeutung beruht.
Szenenwechsel: die Tafelhalle im idyllischen Nürnberg. Déjà Donné proben «My Name is King».

Simone Sandroni gibt ein Zeichen: Drei wilde, zottelige Kerle fordern die kahlen Sitzreihen heraus. Zerlumpt, mit verschwitzten Oberkörpern. Auf der Haut glänzen ölig-schwarze Buchstaben wie hässliche Narben. Don’t steal, Honour, LORD, vain, kill und dann: Do adultery. Wie sie miteinander umgehen, ist nicht nett. Ruppige Interaktionen bis zur Folter zwischen aggressiven, weit ausgreifenden Tanzsequenzen. Einmal werden die Gesten zärtlich – dem Liebesduett geht die Unterwerfung voraus. Jetzt sind die Rollen zwischen den beiden Männern klar. Der Sieger ist Herr, der Unterlegene verwandelt sich in ein williges Weibchen. No means yes. Die alte Lüge, dass sich Romantik aus Gewalt entwickeln ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2006
Rubrik: Der Kalender, Seite 32
von Katja Werner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Free...space

To complain about the communication problem between the audience and contemporary dance is to state a platitude that is by now merely rhetorical. For Portuguese choreographer João Fiadeiro, for one, this is no matter for concern. “In a contemporary performance we are not going to confirm expectations but be confronted with something. We are in a territory of...

Jean Sarelli

Ein Ballettschicksal: Absolvent der Ballettschule der Pariser Opéra, tritt Jean Sarelli in das Corps de ballet ein und schafft es bis zum Sujet. Ende der 1960er wird er Probenleiter und betreut mit großem Kunstverständnis am Palais Garnier die Ballettreprisen von Serge Lifar («Suite en blanc», «Les Mirages») und Harald Lander («Études»). 1978 verlässt er die...

Valeska Gert ...

Valeska Gert wollte in einem Kornfeld begraben sein («dann fließt mein Fleisch ins Korn hinein, dann werd‘ ich Brot, bin nicht mehr tot»). Beigesetzt ist sie dann doch auf dem Friedhof, ihr Sarg in orangerotes Tuch gehüllt in Anspielung auf ihren «Tanz in Orange», der wie eine Bombe in den Expressionismus platzte: den «echten», nicht den des «Kunstgewerbes». Tot...