Plot nicht ersichtlich – und wozu auch?

M. Nunn, W. Trevitt: «Naked» in London

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Beeinflusst das, was wir über ein Tanzstück lesen, unsere Wahrnehmung? Und inwiefern gilt dies für den Titel? «Naked» heißt das neue Stück der Ballet Boyz, und ich erwartete vor der Uraufführung in London genau das: Nacktheit, wenn auch nicht allzu viel nackte Haut. Wir bewegen uns in England, und da bewegt ein nackter Busen noch immer die Fantasie, die Nerven und damit auch die Finger der Kritiker. Wo jemand nackt auftritt, wird mit Sicherheit anderntags öffentlich verhandelt, ob das nun wirklich nötig war.


Dass indes «Naked» ein Stück über Liebe, Verrat und Rache sein soll, war an mir vorbeigegangen. Las vor der Premiere statt der Pressemeldung von Sadler’s Wells das Interview im Programmheft, in dem Michael Nunn und William Trevitt, alias The Ballet Boyz, über den Arbeits­prozess sprechen, auch über den Anteil, den ihr choreografischer Mentor Russell Mali­phant an «Naked» hatte.
Und dann das Stück. Ein Paar im Schlafzimmer, das Bett zerwühlt, die Liebe auch. Im Lauf des Abends gesellen sich zu Musik von Murcof und Richard English zwei weitere Paare dazu und gehen  wieder, nicht zwingend in derselben Formation. Die Frauen tanzen in hellen Cocktailkleidern und High Heels, die Männer ...

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Tanz August/September 2005
Rubrik: On Stage, Seite 65
von Lilo Weber

Vergriffen
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