Natur macht erfinderisch

Tanz - Logo

Keine Kunst ist so sehr in der Natur wie die Tanzkunst. Sie ist randvoll mit Physik, Biologie, Chemie, Medizin, Neurologie und Anthropologie. Nur ein einziger Sprung auf die Bretter bedeutet schon eine so komplexe Welt aus Gravitation, Selbstorganisation, Chaos-Theorie, Mnemo-Physiologie, Adrenalineskalation und Biomechatronik, dass man fast schon sagen darf, hier ist gar keine Kunst. In jedem Épaulement steckt das Wunder der Natur, in jeder Kniebeuge eine Zoomorphie aus Evolution und Neuronenfeuerwerk.

Auch jede Choreografie enthält solch natürliche Phänomene, etwa die der Organisationstheorie. Choreografie erscheint zwar als eine dirigistische Ordnungsmacht, erzeugt aber zugleich ein komplexes Bewegungssystem, das sich nach allen Regeln der Chaostheorie tatsächlich auch ganz von selbst reguliert.
Das beeindruckt die Naturwissenschaft, weil Tanz ein auf verhältnismäßig wenige Parameter der menschlichen Anatomie beschränktes, dynamisches und freies, also offenes und unabschließbares System darstellt. Darum kann es auch ein Abbild experimenteller Wirklichkeiten sein. Wissenschaftliche Experimente, sagt Jan Saam, Biochemiker an der Berliner Charité, lassen sich am lebenden Körper, in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2006
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Redaktion

Vergriffen
Weitere Beiträge
Alicia Amatriain

Zur Begrüßung: dieses Lächeln. Es füllt ihr blondes, helles Gesicht so vollständig aus, dass sie die Augen senkt und die Nase kraus zieht. Sie kommt direkt von der Probe, und das strahlende Lächeln der jungen Prinzessin Aurora, die auf der Bühne bald in hundert Jahre dauernden Schlaf fallen wird, zuvor aber dem Prinzen kräftig den Kopf verdreht, liegt noch wie...

The Dancing Brain

If Descartes’ error in writing down his famous sentence (Je danse donc je suis) had not been corrected by his editor into Cogito ergo sum, what might centuries of dance studies have contributed to our knowledge of the mind? We shall never know, and the marginal status of dance in our culture and in the academies is of course a reflection of various...

Zurück zum aufrechten Gang

Als Wissenschaftler erforsche ich die Morphologie des Körpers. Die evolutionistische Morphologie vergleicht Skelette und zieht meist aus der Form des Oberschenkelknochens Rückschlüsse auf die Fähigkeit einstiger Lebewesen zum aufrechten Gang. Generell schließt man von der Form auf die Art der Fortbewegung und vergisst, dass auch das Verhalten die Fortbewegung...