Traumversunken in Ost-Berlin
Ein Bahnsteig. Eine Ballerina. Sie steht auf Spitze, leicht gestützt auf eine Bank, schaut entrückt aus dem Bild. Auf der Bank sitzt teilnahmslos eine Dame mit Gepäck. Die Ballerina scheint unsichtbar. «Es ist früh am Morgen in Ost-Berlin», sagt Ute Mahler, eine der interessantesten Fotografinnen der letzten vierzig Jahre – stilprägend und sozial engagiert.
Diese Serie ist im Frühsommer 1980 für die «Sibylle» entstanden, Zeitschrift für Mode und Kultur, für die Mahler viele Jahre lang gearbeitet hat.
Sie war vielleicht eine Art ostdeutsche «Vogue», eine Institution in Sachen Geschmack, Mode und Kunst. Aber sie ging auch subtil darüber hinaus. «In jeder Ausgabe gab es Porträts von Frauen in ihren Berufen, Künstlerinnen wurden vorgestellt … Es ging den Redakteuren darum, den Leserinnen Anregungen zu geben, Mut zu machen zur Individualität. Mode wurde verstanden als Unterstützung der Persönlichkeit. Als Fluchtmöglichkeit, ohne fliehen zu müssen. Auch die Schnittmuster im Heft waren beliebt, nach diesen Vorbildern haben sich Frauen Kleider selber genäht … Sicher war die Redaktion einer gewissen Kontrolle ausgesetzt, das Heft wurde den Zensurbehörden vorgelegt. Aber irgendwie ...
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Tanz Dezember 2018
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Marina Dafova
Im Grunde ist sie schon eine etwas ältere Dame – die Tänzerinnenfigur, deren Silhouette sich im Netz unablässig und abrufbereit um die eigene Achse dreht. Auf YouTube findet man bis zu zehn Jahre alte Postings dieses verblüffenden Videos, das Betrachter bis heute in zwei Lager spaltet.
Eine empirisch ermittelte Mehrheit sieht, dass sich die scherenschnitthafte...
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