Spielstätten: Kaufen, Verkaufen
Das Radialsystem V in Berlin liegt direkt an der Spree, Toplage, der schönste Kulturort der Stadt. Seit 2006 bespielen Folkert Uhde und Jochen Sandig die zwei Bühnen, nachdem die Telamon Vermögensverwaltungsgesellschaft in Bochum das Abwasserpumpwerk von den landeseigenen Wasserwerken für 1,9 Millionen Euro erworben hatte.
Für den laufenden Betrieb musste die Berliner Privatbühne für Musik und Tanz gut 1,5 Millionen Euro im Jahr erwirtschaften: durch Vermietung an Firmen und hohe Saalmieten, die alle hier agierenden Künstlerinnen wie Sasha Waltz, Helena Waldmann oder Nicola Hümpel nur per Zuschuss-Antrag bei der Stadt aufbringen konnten. Mittlerweile, heißt es, sei der Bau gut 14 Millionen Euro wert – wegen Toplage. Die Bochumer wollen verkaufen, die Senatoren Berlins zurückkaufen. Kultursenator Klaus Lederer verschweigt die neue Kaufsumme, aber schwingt sich zum Retter auf: Sollte der Senat zustimmen, würde es, auf sehr lange Sicht, für den Steuerzahler etwas billiger werden, was hiesige Raumkosten und Eintrittspreise angeht.
Derweil macht ein anderer Tanz-Ort dicht: das Kraftwerk der Autostadt in Wolfsburg, der Umwelt zuliebe. Das Volkswagenwerk soll 1,5 Millionen Tonnen ...
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Tanz Mai 2018
Rubrik: Side Step, Seite 19
von Arnd Wesemann
Das letzte Schaltjahr oder Leap Year war 2016. Der Libanonkrieg fand 2006 statt. Zehn Jahre lang, von der Bombardierung Beiruts am 12. Juli 2006 durch die israelische Armee bis zum 31. Oktober 2016, dem Tag, an dem der Libanon wieder einen Präsidenten hatte, führte Rabih Mroué ein recht eigenartiges Tagebuch. Der bald darauf nach Berlin emigrierte Choreograf,...
Nach einer Viertelstunde ist erst mal Schluss. Eine freundliche Stimme wünscht jenen Zuschauern, die jetzt gehen möchten, einen angenehmen Heimweg. All jene aber, «die den gesamten Abend gebucht haben», können im Saal einen «aktuellen Kommentar zur Lage der Nation» hören – gesprochen, geseufzt oder geflüstert von keinem Geringeren als Joseph Beuys. Dessen «Ja, ja,...
Immer wieder rollt eine blaue Kugel über die Bühne. Der blaue Planet als Spielball derer, die ihn bewohnen, benutzen, verschmutzen und zerstören, anstatt ihn zu bewahren? Es gehört schon Mut dazu, ein Ballett zu Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung» von 1799 zu kreieren. Jutta Ebnother, seit zwei Jahren Leiterin des Schweriner Ballettensembles, hat sich der...
