Die Bairishe Geisha
Wo ist er nur, der Schlüssel zu den glücklichen Ahnungen der Kindheit? Versteckt er sich ganz hinten im Schubladeneck? Oder lauert da noch ein verstaubter Albtraum, der seine frühere Wirtin und ihr Publikum gern noch einmal im Schlaf überfallen würde? Und wer ist das graue Fräulein hinter der Glasscheibe? Eine verwunschene Gouvernante oder gar ein verhextes Kind, das zur Puppenmutter der eigenen Fantasie geworden ist?
Seit gut zehn Jahren geistert ein Gespenst durch die Münchner Theaterlandschaft, ein bodenständig-exzentrisches, gutbürgerlich-bohemienhaftes Zwitterwesen mit
(bis dato) drei Gesichtern. Zwei von ihnen, Judith Huber und Marianne Kirch (umzugsbedingt seit Kurzem nicht mehr dabei), tragen souverän die rotlippige Blässe und den pechschwarzen Haarhelm der japanischen Kunstdienstleisterin zur Schau, dazu stilechte Seidenkimonos von Detlev Diehm, während die Dritte im Bunde, Eva Löbau, als Übermama und patente Managerin mit mausgrauer Perücke und Kostüm im Hintergrund dezent die Peitsche schwingt und ihre beiden Paradiesvögel zur Arbeit antreibt.
Wie die konkret aussieht, ist grundsätzlich unberechenbar und schwer zu beschreiben, ist doch «Die Bairishe Geisha» nur zum Teil ...
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Germaine Acogny gilt als die Ikone des afrikanischen Tanzes, eine Choreografin, Bewahrerin der Tradition und Visionärin ihrer Verlängerung ins Zeitgenössische. Die Ex-Direktorin von Mudra Afrique ist heute Leiterin der größten, wichtigsten und professionellsten Tanzschule des Kontinents. Die École des Sables wurde ihr Lebenstraum – und ein Traum für alle, die dort...
Soft Cut
Sabine Glenz’ Bewegungen sind klar, minimalistisch und genau auf den ersten Blick. Von schlichten Schauwerten lässt sich die Münchner Choreografin und Tänzerin nie verführen. Beobachtet man die spannungsvoll verfremdeten Alltagsges-ten mit ihren scheinbar flüchtigen Abweichungen länger, scheint der Tanz – scheinen die Körper in der Tat den Aggregatzustand...
«Manchmal werde ich eingeladen, den Studenten zu erzählen, wie das damals war, in den 1980ern», sagt Alain Platel. 1984 gründete er in Gent das Choreografen-Kollektiv Les Ballets C. de la B.: «Seit man mich nur deshalb fragt, weiß ich, dass ich Geschichte bin.» (Seite 54). Seine kaum jüngere Kollegin Anne Teresa De Keersmaeker gründete 1983 die Kompanie Rosas und...
