rotterdam: Duda Paiva: «The Greeks»
Es sind minimale Nuancen, mit denen der Tanz Gesicht und Gangart ändern kann. Wie ein Serum, das blitzschnell in den Organismus des Zuschauers injiziert wird, zwingen kleinste Modifikationen den Blick zur Neuausrichtung. Ständig müssen neue Wahrnehmungsmuster entwickelt werden. Ein mutiges, merkwürdiges Stück wie «The Greeks» – eine Kooperation zwischen Duda Paiva und der Rotterdamer Maas Theater Dance Company – nutzt diese Chance geschickt.
Der Brasilianer Paiva kam 1996 in die Niederlande, absolvierte eine Tanzausbildung und entwickelte sich binnen acht Jahren zu einem der renommiertesten Puppenspieler der Tanzszene. Seine Bühnenkunst verbindet verschiedenste Ausdrucksmittel: Virtuose Pantomime und Duette mit den expressiven, bewegungskünstlerisch und bauchrednerisch verlebendigten, von Paiva selbstkreierten Schaumstoffpuppen fügen sich zu einem berauschenden, sensibel-satirischen Spiel. Gemeinsam mit der Maas Theater Dance Company, einem jungen Ensemble, das besonders in der Jugendtheaterszene aktiv ist, hat Paiva nun eine Trilogie um Figuren aus der griechischen Mythologie choreografiert: «King», «Nike» und «Cyclops».
Von einer kongenial animierten menschengroßen Puppe ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Sergio Lo Gatto
Es kommt nicht so oft vor, dass ein Ballett über alle Gräben von Generation und Gesinnung hinweg Begeisterung auslöst. Jean-Christophe Maillot ist das mit seiner Fassung von William Shakespeares «Der Widerspenstigen Zähmung» am Bolshoi gelungen. Die Premiere der exklusiven Produktion war – echte Rarität – ein voller Erfolg, wurde von Jung und Alt, Progressiven und...
Baden in Tanzgeschichte. Der Boden des quadratischen Raums ist voller Papierstreifen. Darauf sind Erinnerungen gedruckt, Erinnerungen von Zeitzeugen der deutschen Tanzhistorie. Mit den akkurat zerschnittenen Memoiren werfen drei Performer wild um sich. Ein Tänzer umarmt eine Zuschauerin, während er auf sie einredet. Und häuft Sprach-Luftschlangen auf ihren Kopf,...
15 Jahre ist es her, dass die Choreografin Anouk van Dijk gemeinsam mit Falk Richter den Tanz aufs Schauspiel losließ. «Nothing Hurts» hieß 1999 die kleine Sensation: Das Drama des Zeitgeists entwand sich dem Sprechzwang. Wenn Worte nicht mehr reichten, wurde getanzt. Bis 2012. Da übernahm Anouk van Dijk die australische Kompanie Chunky Move. Falk Richter blieb...
