Das Bild und seine Geschichte
Diese schwergewichtigen Tänzer wollen unbeschwert und völlig losgelöst hoch hinaus. Auf Kuba, der kommunistischen Karibik-Insel mit all den drahtigen Muskel-Macho-Männern, hat die Companía Danza Voluminosa eine zweite Revolution angezettelt. Wann sah man je so füllige Ballerinen so kokett ihre mächtigen Schenkel lüpfen oder mit weit ausgespannten Wabbelarmen zum Vogelflug vom Boden abheben?
Vielleicht in Maguy Marins «Groosland», damals in Holland.
Aber in ihrem humoristischen Putzkolonnen-Bacchanal zu Bachs «Brandenburgischen Konzerten» war die Körperfülle nur eine zweite, erborgte, dick wattierte Haut, um dürre Tänzer aufs Doppelformat zu stopfen. Hier dagegen bei den Damen von Danza Voluminosa ist alles echtes, pfundschweres Fleisch. Von der eigenen Last befreit sie ihre Tanzlust, und zwischen ihnen hüpft ihr 130 Kilo schwerer Gründer Juan Miguel Más mit faunischen Freudensprüngen. Hier herrscht beides: ein unbedingter Wille zur Form und eine durch ihre Kondition bedingte «Formlosigkeit» der unbeherrschbar schwingenden Körperlinien auf der Bühne. Das führt direktemang zu einem offensiven Selbstbewusstsein.
Mit dem Schlachtruf «Más» («Mehr!») hat Juan Miguel Chigin den Aufstand ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
An Hellerau kommt keiner vorbei. «Stop» signalisiert das neue Logo, die Silhouette des Festspielhauses in ein großes H eingebettet. H wie Hellerau eben, wie Haltestelle, wie Hoffnung. Glaubt Dieter Jaenicke – und wünscht sich, dass man in zwei Jahren beim H nicht mehr an Straßenbahn, sondern unwillkürlich ans Europäische Zentrum der Künste Dresden denkt, das dort...
Wir wären gern drin, mittendrin. Denn drinnen geht’s ab: Die Menschen grölen, jubeln, lachen. Eine E-Gitarre jault. Ein Mann (er muss ein Star sein!) redet mit dem Publikum, das auf jedes seiner Worte enthusiastisch reagiert. Man meint die schweiß- und bühnennebel-getränkte Luft zu atmen, sieht sich selbst im bläulichen Licht des Konzertraums in der unruhigen Menge...
Salia Sanou und Seydou Boro gehören zu den Aushängeschildern eines zeitgenössischen afrikanischen Tanzes, den es, glaubt man Germaine Acogny im Senegal, gar nicht gibt.
Das z-Adjektiv steht in Afrika vor allem für «europäischen» Tanz. Aber was wäre die Kompanie Salia nï Seydou, hätten die beiden nicht vor 16 Jahren in Montpellier bei Mathilde Monnier ihre ersten...
