Verschwinden
«Denn das ist die Zeit, die Zahl der Bewegung in Bezug auf das Früher und Später.« In dieser klassischen Bestimmung der Zeit drückt Aristoteles (im 3. Buch seiner «Physik») zugleich die Grundlage aller Zeitmessung und eine fundamentale Einsicht des philosophischen Nachdenkens über die Zeit aus: Dass diese uns niemals «rein» als solche begegnet, sondern immer nur in Prozessen der Veränderung und Bewegung erfahrbar wird.
Jede Zeitmessung funktioniert über den Vergleich mit als regelmäßig geltenden Bewegungen – der Himmelskörper, eines Pendels, einer Oszillation von Quantenzuständen. Und ist nicht auch jede subjektive Zeiterfahrung auf wiederkehrende Prozesse, Rhythmen und Bewegungen bezogen?
Zeit zeigt sich uns vor allem in der Bewegung – und manchmal wird sie im Tanz für einen Augenblick transformiert und scheinbar überwunden ... Denn Zeit ist nicht gleich Zeit. Die physikalisch gemessene, unseren modernen Alltag regierende «Uhrzeit» ist keinesfalls die einzige, ja nicht einmal die grundlegende Dimension unserer Erfahrung von Zeit. Sie ist vielmehr eine spezifisch europäische Erfindung, die sich allerdings weltweit durchgesetzt hat, sodass wir heute (fast) immer und überall in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Oleg Levenkov ist eine einzigartige Persönlichkeit. Der einstige Tänzer des Permer Theaters für Oper und Ballett (eines der besten in Russland) ist heute ein äußerst bemerkenswerter Repräsentant russischer Kultur. Er verbindet umfangreiche theoretische Kenntnisse auf dem Gebiet der Choreografie, Ästhetik und Philosophie mit einem gewaltigen Organisationstalent....
Gut, sein ambitioniertes «Dornröschen» zum ersten Spielzeitschluss ist Aaron S. Watkin ganz und gar missglückt. Aber es ist nicht das erste Mal, dass man einen guten Dramaturgen für Handlungsballette vermisst. Und auch nicht jeder Kompanieleiter muss begnadet choreografieren können. Doch abgesehen von diesem ästhetisch ärgerlichen Ausrutscher, hat der beim National...
Wir treffen uns in einem Café, das in der Wiener Kulturszene nicht unbedingt als schick gilt. Dort gibt es einen Tisch, an dem man gut im Raum integriert, aber doch geschützt und für sich sitzt. Zufallsbegegnungen und die daraus resultierenden Ablenkungen sind unwahrscheinlich. Gut so. Wir haben beide nur wenig Zeit.
Im Kaffeehaus wurden einst ganze Tage verbracht....
