Tanzen im Flow des Films
Keine Logik, keine Ordnung, keine Hierarchie. So sieht María Ribot alias La Ribot ihr neues Werk, «Llámame mariachi». Mit der engen Verbindung von Tanz und Film will sie nichts weniger als eine neue Bühnensprache entwerfen. Das Resultat ist verblüffend. Zwar fällt der von den drei Frauen La Ribot, Marie-Caroline Hominal und Delphine Rosay getanzte erste Teil der Uraufführung in Genf noch klar ab von der darauf folgenden fast halbstündigen Plansequenz, aber die ist großartig: So wurde Tanz selten gefilmt, kein Film hat je so getanzt.
Die drei Interpretinnen wechseln sich in der Rolle der Kamerafrau und Tänzerin gegenseitig ab, das Objektiv begibt sich auf eine Reise durchs Theater. Oberflächen, Wände, Risse, Pappkarton; die Kamera eilt einer Lichtquelle nach, fokussiert auf ein winziges Detail, bringt einen Fuß ins Bild, der tanzt, der rennt, die Kamera folgt. Wenig später spürt sie einem Zeigefinger nach, in schnellem Tempo durch wirre Gänge. Dann filmt sie Zeitungsausschnitte, schwenkt schon weiter, trifft auf einen Fernseher, auf eine Plastikblume, folgt einer Naht, verschiedenen Kanten, und nie ein Schnitt!
Wie in dem legendären schnittlosen Film «Russian Arc» von Alexander ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Porträt: La Ribot und Mathilde Monnier
«Hoffnungsträger»: La Ribot
Gob Squad sind unsterblich. Zum Festival Impulse in Köln, danach zum Festival SpielArt in München treiben sie ihr Unwesen mit ihrem radikalen Humor, den alle lieben, die sich ein entspanntes Verhältnis zur Bühne wünschen. In Köln retten sie mal wieder die Welt. In «Saving the World» fragen Gob Squad Passanten nach ihren Rettungsrezepten, die live in den Kölnischen...
Als Sie 1973 das Cloud Gate Dance Theatre gründeten, war es die erste professionelle Kompanie für modernen Tanz in Taiwan. Wie war die Situation damals, was fanden Sie vor?
Nicht viel. Es gab private Ballettschulen, die schreckliche «Giselles» aufführten. Alles war dilettantisch, auch die damalige Tanzabteilung der Universität. Es gab lauwarme Moderne, zeitlich arg...
Merce Cunningham war schon vor seinem Tod fest gebucht; Europa hätte dem 90-Jährigen zugejubelt. Jetzt ist es eine Farewell-Tournee geworden mit seinen besten Stücken wie «CRWDSPCR» (1993), «Second Hand» (1970) und «Squaregame» (1976). Die Merce Cunningham Dance Company gastiert im frankofonen Europa, in Genf, in Brüssel zu Charleroi/Danses und im Pariser Théâtre...
