Anna Konjetzky
Anna Konjetzky
«Tagebuch … si un jour tu décides de partir»
Sahra Huby bückt sich, nimmt die Beine in die Hand und hüpft. Zweimal. Dann fällt sie um. Sie richtet sich auf, nur halbhoch, versucht es wieder. Humpeln, trippeln, mehr wird das nicht. Und wieder kippt sie um. Wer weiß, was da schiefgeht. Madeleine Fournier, keine drei Meter weiter, kauert am Boden, Hände vors Gesicht gepresst, rührt sich nicht. Ist sie überhaupt hier? Jetzt wälzt sie sich ein bisschen, hält sich dann die Ohren zu. Im Hintergrund klabautert der Kontrabass von Peter Jacquemyn.
Und Huby krümmt sich und hält sich den Bauch. So wurschteln sie vor sich hin, jeder in seiner unsichtbaren Kammer. Irgendwelchen internen Impulsen folgend. Mal energisch und wild, dann klein und verzagt bewegen sie sich. Und fühlen sich offenbar allein. Dann wird der Kontrabass laut und wütend. Die Tänzerinnen robben rittlings aneinander und probieren den Kontakt. Tentativ, dann rabiat. Näher bringt sie selbst das simulierte Kopulieren nicht. Zurück also in den Autismus. Das ist «Tagebuch … si un jour tu décides de partir». Die ungeselligste aller Tätigkeiten steht hier wohl für das Gefängnis Ich. Qualvolle Einsamkeit.
Einsam bedeutet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Jérôme Bel, der große Intellektuelle unter den Choreografen, findet es traurig, dass es den großen Vorhang nicht mehr gibt. Nicht bei den modernen Stücken. In Paris, «in der Opéra Garnier gibt es noch zwei Vorhänge und jeder von ihnen hat mehrere Bewegungsarten beim Öffnen, das war faszinierend, aber vielleicht auch ein bisschen unnütz», sagt der Meister.
2001 in...
Johan Inger und die neue Freiheit. Der 41-jährige Schwede hat im Sommer die Direktion des Cullberg Balletts aufgegeben, weil ihn die administrative Tätigkeit zu sehr am künstlerischen Schaffen gehindert hat (siehe bt 11/08). Richtungsentscheidungen hat er vorher noch getroffen: weg von der Ek’schen Narration hin zu Abstraktion und Intuition und großem Vertrauen in...
Philippe Saire
«Il faut que je m’absente»
Funkelnde Glühbirnen, Strass und Pailletten. Pfennigabsätze, ein Zylinder, falscher Rauch und lange rosa Plüschohren … Auf den ersten Blick liegt der Titel etwas daneben: «Il faut que je m’absente» – «I really have to go now». Was soll das Ich («… je m’absente») in all dem Glamour? Und was soll dieses zögerliche,...
