Tanz die Liturgie
Als der Jesuitenpater Adamus Gertl im Sommer 1678 nach langer Reise aus Österreich den Hafen von Sevilla erreichte, ging es ihm wie vielen Missionaren: Er kam zu spät. Die spanische Flotte hatte bereits abgelegt. Das nächste Schiff nach Amerika sollte erst in einem Jahr auslaufen. So hatte er Zeit, das Leben in der Stadt zu beobachten. Wenig überraschend, begeisterte sich der Geistliche vor allem für die aufwendig gestalteten Gottesdienste und Prozessionen. Was ihn dabei besonders erstaunte: Gerade an hohen Feiertagen wurde in und vor den Kirchen getanzt.
Für Ostern notierte er, dass zwölf Tänzerinnen mit Kastagnetten und zwölf Tänzer eine große Prozession begleiteten, und an Fronleichnam sah er die Chorknaben in der großen Kathedrale tanzen, wofür das Domkapitel extra einen bekannten Tanzmeister bezahlte.
Nicht nur der österreichische Jesuit zeigte sich verwundert. Auch heute noch erscheint die Vorstellung von Tänzen im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kirchenraum auf den ersten Blick befremdlich. Gilt die vormoderne Kirche doch allgemein als körper- und tanzfeindlich, als Institution, die den Tanz in den Kirchen als Teufelsdienst ausnahmslos verdammte. Allerdings trügt ...
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Tanz Februar 2017
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Philip Knäble
Der berufliche Tanz ist nicht unbedingt der private. Wenn ich nach einer Vorstellung die Möglichkeit zum Tanzen vorfinde, denke ich manchmal: «Danke, hab ja schon.» Als noch die Sonne schien, verspürte ich auf einer Marathonveranstaltung beim Dortmunder Festival «Favoriten» nach zwölf Stunden Dauertanz nur noch einen Wunsch: mit dem Rollstuhl an eine Bar gebracht...
Deutschland
On tour
«Best of Rock the Ballet» mit Rasta Thomas’ Bad Boys of Dance: Hannover, Theater am Aegi, 2. Febr.; Lippstadt, 3. Febr.; Bremen, Musical Theater, 5. Febr.; rock-the-ballet.de
«piano piano» Acht Tänzerinnen und Tänzer aus drei Tanzensembles, K. Kvarnström & Co, Andersson Dance und Zero Visibility Corp., bewegen sich zur Musik von Franz...
Das Ungewöhnliche an diesem vor gut einem Jahrzehnt in München ausgeheckten Projekt mit Namen «Access to Dance» ist wohl, dass sich hier sieben Spezialisten für Ballett und zeitgenössischen Tanz zusammengesetzt und etwas Nachhaltiges entwickelt haben. Und – ein Wunder − sie kooperieren bis heute, ohne dass auch nur die geringste Auseinandersetzung ruchbar geworden...
