Ikonen
__________vaslav nijinsky
Tanz, das sind bewegte Bilder in Raum und Zeit. Eine Bewegung festhalten, heißt: sie zum Stillstand bringen. Auf dem Foto friert sie ein, stirbt vielleicht, dafür setzt sich die Regung, die dahinter steht, die Erregung, aus der sie kommt, frei.
Ich war noch ein Kind und hatte gerade meine Tanzausbildung angefangen, als ich die Fotografie von Vaslav Nijinsky in «L’après-midi d’un faune» zum ersten Mal sah. Sie hat mich sehr bewegt und seitdem nicht mehr losgelassen. In ihr schwingt mehr mit als das Gezeigte.
Der Inhalt steht plötzlich außerhalb der Tanzform, eine Atmosphäre schwingt über den Augenblick hinaus, den das Bild festhält. Es ist ein großer Moment in der Tanzgeschichte, in dem der Ausdruck in den Vordergrund rückt. Ein Aufbruch in eine neue Zeit.
Beim Betrachten des Bildes wurde mir bewusst: Für mich muss Tanz berühren, nicht nur gefallen, etwas im Zuschauer auslösen, sodass er das Gesehene aus der Sicht seiner eigenen Biografie wahrnimmt und reflektiert. Es sind viele Assoziationen, die mir mit diesem geheimnisvollen Bild in den Sinn kommen, viele die mit der Geschichte des Tanzes gar nichts zu tun haben. Das ist Magie. Das ist wahrer Tanz.
To ...
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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: , Seite 8
von
Anne Teresa De Keersmaeker gehört nicht unbedingt zu den sonnigen Gemütern der Tanzszene. Die ernste Miene über einem mit den Jahren immer asketischeren Körper lässt zunehmend an Pina Bausch denken, die allerdings, je älter sie wurde, desto häufiger auch öffentlich lachte. Bei De Keersmaeker verblüfft es umso mehr, wenn ihr nach dem Ende von «Partita 2», ihrem im...
«publikum spielt mit: lachen, spucken, pfiffe, tierlaute #balletsrusses @tceopera #skandal», twitterte @jeancocteau am 29. Mai 1913, angehängt war die verwackelte Smartphone-Aufnahme einer tobenden Menge. Binnen Sekunden ging der Tumult im Théâtre des Champs-Elysées um die Welt, am nächsten Morgen klickte man in Petrograd und New York die Mitschnitte auf YouTube...
Man kann den künstlerischen Bühnentanz in noch so hoher Qualität betreiben – das allein reicht niemals aus, um in eine Gesellschaft wirklich hineinzuwirken oder mehr Menschen zu erreichen. Wie beim Kino, wie beim Konzert – und beides ist verbreiteter als das Ballett – gilt: Es müssen für die Gesellschaft Bilder geschaffen werden. Und weil es nie und nirgendwo eine...
