schöne spannung
Welche Sylphide weiß schon, wie der eigene Muskeltonus beschaffen ist? Oder dass die Propriozeptoren der Haut mitbestimmen, wie gut sie sich erdet, um als Luftwesen optimal zu schweben? Trotz der Erkenntnisse aus Hirnforschung, Embodiment-Recherchen und Tanzmedizin wird der Ballett-Körper noch immer wie eine normierte Maschine auf Hochleistung programmiert. Nur wenige klassische Pädagogen stellen das en dehors in Form der typischen, oft rigoros eingeforderten 180-Grad-Außenrotation der Hüftgelenke infrage.
Mag sein, dass sich im stillen Kämmerlein Skepsis einschleicht, wenn Verletzungen überhandnehmen, wenn Zweifel an der Begabung für die heiß geliebte Kunstform das Ende einer Karriere markieren. Schmerz, Druck, Angst, Zwang scheinen seit Jahrhunderten zum Ballett-System zu gehören wie das Tutu, der Spitzenschuh und Painkillers. Lust, Leichtigkeit, Langsamkeit, Ökonomie, anatomisches Know-how, Durchlässigkeit, Kreativität – wer davon träumt, muss oft lange nach der richtigen Anleitung suchen.
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Tanz Juni 2016
Rubrik: Praxis, Seite 66
von Irene Sieben
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