Raus aus der Routine
Yuri Fateyev ist ein betont höflicher Zeitgenosse. Der Russe spricht beherrscht, klar, auf den Punkt, und seine Botschaften sind unmissverständlich: «Niemand macht uns das ‹Königreich der Schatten› nach – keine andere Kompanie!» Mit «uns» ist das Sankt Petersburger Mariinsky-Ballett gemeint, dem Fateyev vorsteht, mit dem «Königreich der Schatten» die 32-köpfige Serpentine en arabesque aus «La Bayadère». Alles in allem lautet die Message: «Da kann uns keiner das Wasser reichen.
» Ob wahr oder nicht, Tatsache ist: Auch in der Welt des Balletts sind Alleinstellungsmerkmale wichtig fürs Geschäft. Zumal es immer weniger davon gibt. Seit Jahren wird die stilistische Monokultur der Exzellenz-Kompanien beklagt, und das globale Klassiker-Repertoire besteht aus: dem x-ten «Nussknacker», dem x-ten «Dornröschen», dem x-ten «Schwanensee», ergänzt um «Giselle», «La Sylphide», «Don Quixote», «Coppélia», «La Bayadère», «Paquita» plus eine Handvoll Highlights des 20. Jahrhunderts, von «Sacre du prin-temps» über «Apollo» bis William Forsythes «The Vertiginous Thrill of Exactitude». Der sogenannte «Kanon» des Balletts, er beinhaltet vielleicht zwei bis drei Dutzend Evergreens. Das ist ein winziger ...
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Tanz April 2017
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Dorion Weickmann
Márcia Haydée, als Erstes ein Stichwort: Stuttgart. Was verbindet sich für Sie mit der Stadt? Stuttgart steht stellvertretend für meine Heimat, mein Leben, meine Karriere. Hier hat sich alles ereignet. Hier habe ich eine tolle Zeit erlebt. Jedes Mal, wenn ich hierher zurückkehre, spüre ich, wie ich mich verändere. Meine Energie bekommt einen Schub, sobald ich auch...
«Dornröschen», auf Norwegisch «Tornerose», ist die schöne Schlafende, die Petipa und Tschaikowsky 1890 auf die Ballettbühne brachten. Beim Norwegischen Nationalballett wird daraus «Sleepless Beauty», eine «schlaflose Schönheit», die vier Choreografinnen unterschiedlich ausdeuten: die auch hierzulande bekannte Ina Christel Johannessen und Hege Haagenrud, dazu Ingun...
Saburo Teshigawara lacht, als ich ihn mit meiner Einschätzung konfrontiere, er müsse der mit Abstand meistbeschäftigte Choreograf auf diesem Planeten sein. Drei Premieren hatte er allein im Februar – in Nantes, Martigues und Paris. «Ich arbeite immer an mehreren Stücken gleichzeitig, derzeit an fünf oder sechs.» Dann scherzt er: «Ich könnte jeden Monat ein Stück...
