Digitaltanz
Auf der «Gamescom», der großen Spielemesse in Köln, hatten sie den größten Stand gebucht: die Entwickler von Epic Games, die mit «Fortnite» einen Coup gelandet haben. Seit Monaten ist das Daddelformat – Marke: «last man standing» – in aller Munde, Eltern melden sich auf Lehrgängen an, um zu kapieren, was ihre Zwölfjährigen da eigentlich zocken. Eine der Hauptattraktionen des Shooters sind die Mini-Tanzeinlagen, die der Zocker sein Alter Ego vollführen lässt, wenn es gerade ein feindliches Gegenüber umgenietet und ins Jenseits befördert hat.
Klingt reichlich makaber, folgt aber einem interessanten Konzept. Denn die Programmierer entwerfen nicht einfach Schrottbewegungen, sondern kupfern ab: aus der Tanz- und Popgeschichte. So feiern etwa Charleston, Tap und Disco Dance via «Fortnite» Auferstehung, und umgekehrt kopieren Sportler und Schulkids, was sie zuvor schon als Triumphtanz 2.0 durchgespielt haben. Nicht die beste Variante, Tanztradition kennenzulernen, aber eine überaus populäre und internationale. Die Zahl der Fortniter liegt derzeit weltweit bei 125 Millionen.
Tanz Oktober 2018
Rubrik: Side Step, Seite 15
von Dorion Weickmann
Ein Büro in der Berliner Volksbühne, zwei gepolsterte Stühle, zwei zierliche Tische, zwei Gläser. Eine große Tasche steht auf dem Boden, aus der sich Anne Teresa De Keersmaeker während des Gesprächs einen kleinen Lederball angelt. Die Choreografin und Chefin der Brüsseler Kompanie Rosas knetet das Utensil mit beiden Händen. Die Fingerübung dient offensichtlich ihrer Konzentration....
Wer hat die «West Side Story» erfunden? Leonard Bernstein, würden zehn von zehn Befragten antworten. Eben nicht: Jerome Robbins war‘s. Wer? stutzen jetzt zehn von zehn Befragten, selbst unter den Kulturinteressierten. Nur ein paar Wochen nach dem weltweit gefeierten Komponisten und Dirigenten Bernstein hätte der Choreograf und Regisseur Jerome Robbins seinen 100. Geburtstag begangen:...
Bern: Tanz in Bern
Nach «7 pleasures» und «69 positions» stellt Mette Ingvartsen, die dänische Choreografin mit Wohnsitz Brüssel, ihre «21 pornographies» vor. Sie erzählt aus den «120 Tagen von Sodom» des Marquis de Sade, von Würdenträgern, die heute allesamt wegen sexueller Nötigung vor Gericht stehen müssten. Ihrem Solo gesellen sich weitere Tabubrüche hinzu. Bei Trajal Harrell aus New...
