tanzt im museum!

Es gibt ja Menschen, die behaupten, das Ballett wäre ein Museum. Geht man aber mal ins Museum, tanzen dort prompt Robyn Orlin, Sasha Waltz oder Carolyn Carlson. Was reizt Choreografen so sehr an diesen Hüllen der Ewigkeit?

Tanz - Logo

Es ist schon in frühester Zeit so gewesen. Überall führen Tanz und uralte Skulptur einen lebendigen Dialog. Da sind die in Stein gemeißelten Abbilder von Tänzerinnen in frühen Hochkulturen, etwa der indischen Devadasis, die bis heute von der Inspiration und Faszination des Tanzes zeugen. Auch bei Émile-Antoine Bourdelle, der vor einem Jahrhundert in Paris die berühmte Barfußtänzerin Isadora Duncan in Hunderten von Zeichnungen und einigen Skulpturen festhielt, kann nur von kultischer Verehrung die Rede sein. Die Tänzerinnen wurden geliebt.

Auch von Auguste Rodin, selbst wenn dieser große Bildhauer keine einzige fertige Skulptur von Isadora Duncan schuf. Aber es gibt Studien, die zeigen, wie sentimental die Beziehung der beiden zueinander war. Isadora Duncan, die erste moderne Tänzerin überhaupt, war der griechischen Antike verfallen, all diesen schlichten weißen, so pur und naturalistisch anmutenden Skulpturen und Reliefs. «Miss Duncan macht den Tanz empfänglich für die Linie, und die ist schlicht wie die Antike, sie ist das Synonym für Schönheit», lautete der Beifall Rodins. Hätte die amerikanische Rebellin nur gewusst, wie knallbunt die antiken Statuen in Wirklichkeit waren, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2010
Rubrik: traditionen, Seite 50
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
wien: impulstanz

Es ist das größte Tanzfest Europas, der gewaltigste Workshop-Auftrieb und ein Füllhorn der Entdeckungen. Gleich zu Beginn stellt Anne Juren in ihrem Solo «Magical» die keineswegs absurde Frage: Passen Zauberei und Feminismus zusammen? Das subversive Potenzial des illusionären Tricks und die täuschende Inszenierung des weiblichen Körpers haben mehr gemein als nur...

münster: Daniel Goldin «Projekt Cage»

John Cage und der Tanz sind alte Bekannte. Aber in Münster beim tendenziell schwermütigen Tanztheater von Daniel Goldin hätte man diesen Komponisten eher nicht vermutet. «Projekt Cage» verspricht also, dass ein bisschen Anarchie die Kreation des argentinischen Westfalen pilzartig beleben könnte. Zudem ist es die zweite Kooperation mit dem Folkwang Tanzstudio, das...

Portraits einer Stadt

Salzburg, die Landeshauptstadt mit dem höchsten Ausländeranteil Österreichs, zieht nicht nur Touristen an – es herrscht Multikulti an der Salzach. Das haben die Tanzfotografin Anja Hitzenberger aus New York und die Dokumentarbildnerin Anusha A. Yadav aus Mumbai wörtlich genommen. An Makartsteg, Müllnersteg und entlang dem Salzachufer erzählen ihre «Portraits einer...