kammerflimmern
Diese Tänzerin tanzt wirklich schön. Aber unwirklich. Denn der Zuschauer, obwohl er im Theater sitzt, trägt einen Kopfhörer für den ultimativen Surroundsound, trägt eine Brille für den perfekten 3D-Eindruck. Und er hält das Herz der Tänzerin in der Hand. Zumindest ist es ein sehr präzises, aus Plastilin gefertigtes Modell der menschlichen Pumpe. Yui Kawaguchi tanzt, zieht ein Stethoskop zu sich heran, hält es vor ihre Brust. In diesem Moment regen sich realistische 300 Gramm Lebensgewicht in meiner Hand, das Kunstherz pulsiert unter meinen Fingern.
Unwillkürlich umfasst man das weiche Organ fester, erschrocken. Auch der eigene Puls wird schneller.
MatchAtria Trailer : Yui Kawaguchi x Yoshimasa Ishibashi from Yui Kawaguchi on Vimeo.
Dabei halte ich doch nur eine klopfende, mit einem Kabel verbundene Beatbox fest. Oder nicht? Ich halte das Herz einer Tänzerin in Händen. Will es schützen. Möchte denken, die Tänzerin hat mir ihr Herz geschenkt. Oder auch: Yui Kawaguchi tanzt mit ganzem Herzen. Deutsche Redensarten, die im Japanischen fast genauso funktionieren. Das geschenkte, zugegeben, hier nur geliehene Herz in meiner Hand pocht sich durch eine wundersame Partitur, durch einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Februar 2015
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann
Am 16. Dezember ließ der Intendant der Brüsseler Monnaie-Oper, Peter de Caluwe, verlauten, dass er sich aufgrund substanzieller Finanzkürzungen seitens der Regierung zu einer rigorosen Spielplan-Schrumpfung gezwungen sehe. Von einem «kulturellen Blackout» war die Rede, dem allen voran die Sparte Tanz zum Opfer fiel: Auf absehbare Zeit wird es an La Monnaie keine...
Der «schweigsamen Kunst» Aussagekraft abzutrotzen, ist eine Kunst, auf die sich nicht alle Choreografen so gut verstehen wie Stephan Thoss. «Die Liebe kann tanzen» heißt sein neuestes Werk, und im Programmheft beschreibt es der einstige Ballettchef von Kiel, Hannover und Wiesbaden als ein Wechselspiel von Frage und Antwort: «Die Fragen lockten und kitzelten...
Im Mai 2014 wurden sie zum ersten Mal vergeben, die «Berner Tanzpreise». Organisiert als Wettbewerb im Rahmen einer mehrtägigen Plattform, wurden sie von Tanzdirektorin Estefania Miranda kuratiert. Dem Gewinner winkte die Chance, mit der Tanzkompanie Konzert Theater Bern – zum Thema «Giacometti» – eine eigene Choreografie umzusetzen.
Die bewegte...
