Böse Märchenonkel
Niemand konnte die Dänen so hassen, wie der, den die Dänen gerade feiern. «Dänen sind kalt, böse, satanisch, ein Volk, das zu den nassen, schimmelgrünen Inseln passt», schrieb Hans Christian Andersen 1843 in sein Tagebuch. Vor 200 Jahren wurde er in Odense geboren, der Märchenmann, dessen «Kleine Meerjungfrau» John Neumeier zur Andersen-Feier am 15. April im Kopenhagener Opernhaus uraufführen will. Schon zuvor haben Michael Laub (s.
ballet-tanz 10/03) und zuletzt Kim Brandstrup den wehleidigen, eitlen, reizbaren, aufdringlichen, streitlustigen Psychopathen auf die Tanzbühne gestellt, als könnte man den chronischen Selbstzweifler und seine Verehrung für die Sängerin Jenny Lind, seine vergebliche Liebe zum Tänzer Harald Scharff, seine grenzenlose Selbstliebe einfach so austanzen.
Andersen las seinen Freunden unablässig Märchen vor – auch August Bournonville. Der Choreograf von Weltrang stand freundschaftlich, aber auch kritisch zu Andersen. Wie tief verletzt war dieser, als der erfolgreiche Ballett-Mensch davor warnte, schon zu Lebzeiten eine Andersen-Büste in Kopenhagen aufstellen zu lassen. Aber: Heute wird nicht der gleichaltrige Bournonville, sondern Hans Christian Andersen ...
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John Neumeiers Tanzsammlung ist für Hamburg gesichert: Nach jahrelanger Suche wurde ein stattliches Domizil für das Museumsinstitut gefunden. Es ist eine zentral, in erstklassigem Viertel nahe der Universität gelegene Stadtvilla in der Heimhuderstrasse 71. Neumeier, das Denkmalschutzamt und die Kulturbehörde haben sich über die Immobilie geeinigt. Bisher wurde das...
... und andernorts. Je mehr man sich in die Märchenwelt seiner Kindheit vertieft, desto weniger vertraut erscheint sie. Die Erinnerung trügt, und nicht eine einzige Figur verhält sich so, wie wir’s aus Grimms Geschichten kennen. Selbst das Böse, von Masa Kolar kraftvoll verkörpert, ist nicht mehr das, was es war, und verkehrt sich zeitweilig ins Gegenteil....
Hans Christian Andersen ist am Theater gescheitert. Die erste Anlaufstelle für seinen Wunsch, berühmt zu werden, war das Königliche Theater in Kopenhagen. Doch für einen Schauspieler war er zu dünn, für einen Tänzer zu linkisch und eine Karriere als Sänger endete mit Stimmbruch.
Andersens Scheitern am Theater ist fundamental. Denn das Märchen, in dem er sich so...
