Spiegelbilder
Gesellschaftstanz – ein alter Zopf?
Von wegen! Wir stimmen Sie mit einem klassischen Theaterausflug auf die neue Serie ein. Und in den nächsten Monaten besuchen wir Ballsäle, Tanzschulen und Turniere, wir unterhalten uns mit Wertungsrichtern und Lehrerdynastien – und erzählen vom queeren Amüsement beim Tanztee.
Wenn Guy Vandromme in Raimund Hoghes jüngster Produktion auf dem linkerhand platzierten Konzertflügel die ersten Akkorde von Ravels titelgebendem «La Valse» anschlägt, werden durch großzügige Pedalisierungen in den tiefen Registern und perlende Arpeggios in den hohen Lagen fulminante Orchesterklänge beschworen. Währenddessen liegt Hoghe rechts hinten auf der Bühne, das Gesicht ab- und den Rücken dem Publikum zugewandt: Verloren in der Weite des Raums, stumm und reglos, scheinbar leblos kontrastiert sein Körper die Klangmassen, die eine sich im Walzertaumel verlierende Tanzgesellschaft suggerieren. Trotz oder gerade wegen dieser Anmutung lehnte einst Serge Diaghilew, der die Komposition für seine Ballets russes in Auftrag gegeben hatte, eine (herkömmliche) tänzerische Umsetzung ab. Seiner Meinung nach hatte Ravel nicht die Vorlage für ein Ballett, sondern allein dessen – ...
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Tanz April 2017
Rubrik: Serie: Gesellschaftstanz, Seite 64
von Stephanie Schroedter
Saburo Teshigawara lacht, als ich ihn mit meiner Einschätzung konfrontiere, er müsse der mit Abstand meistbeschäftigte Choreograf auf diesem Planeten sein. Drei Premieren hatte er allein im Februar – in Nantes, Martigues und Paris. «Ich arbeite immer an mehreren Stücken gleichzeitig, derzeit an fünf oder sechs.» Dann scherzt er: «Ich könnte jeden Monat ein Stück...
Es schneit große Flocken. Die Tänzer bilden zwei Gruppen, jeweils in Pyramidenformation. Beginnen eine wilde Schneeballschlacht. Ein impressionistisch flirrendes Bild, dazwischen Videoprojektionen der Geschwister Paul und Elisabeth. Der Regisseur und Choreograf Yuki Mori hat für Philip Glass’ Tanzoper «Les Enfants terribles» nach dem Roman von Jean Cocteau ein...
Wusch, da fliegt etwas vorbei, voller Farben, Formen, Luft und Leichtigkeit. Lange Fransen in Gelb und Grün, Blau und Violett, Rot und Braun fächern sich auf in der Bewegung, im Sprung oder in der Drehung eines Tänzers, und legen sich wieder zusammen. Groß und prächtig scheint die Figur zwischendurch, wie eine geöffnete Blüte. So kann man die Soundsuits von Nick...
