bühnenabschied
Es ist nur ein winziger Augenblick, der Wimpernschlag einer Bewegung, und doch ändert die Art, wie die Frau ihre Hand flehentlich nach dem Mann ausstreckt, einfach alles: die Beziehung des Paars, die Temperatur des Stücks, den Blick des Zuschauers auf die Szene. Wer Aurélie Dupont in Jerome Robbins‘ Liebestriptychon «In the Night» gesehen hat, weiß, warum die Danseuse étoile der Pariser Oper die tragischen Rollen favorisierte.
Neumeiers Kameliendame, MacMillans Manon, Sasha Waltz‘ Juliette – das sind die Heldinnen, denen Aurélie ihr schönes Gesicht lieh, deren Begierden durch ihren Körper gingen, deren Sehnsüchte und Schmerzen aus ihm sprachen, so sublim getönt, wie es die wenigsten Ballerinen ihrer Generation vermochten.
Die Ausbildung an der Ballettschule der Opéra behielt sie als das schwärzeste Kapitel ihrer Laufbahn in Erinnerung. Doch danach stieg ihr Stern steil empor, bis er am Silvestertag 1998 zu den glitzerndsten Ballettgestirnen aufgeschlossen hatte. Seitdem tanzte sie nur noch – «à mon plaisir» – zu ihrem eigenen Vergnügen! Glücklich, wer ihr dabei zusehen durfte.
Sie heiratete den Kollegen Jérémie Bélingard, bekam mit ihm zwei Kinder und versicherte stets, wenn sie ...
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Tanz Mai 2015
Rubrik: menschen, Seite 28
von Dorion Weickmann
Nach 22 Jahren als Tänzerin bei Pina Bausch unterrichten Sie den «unbekannten Körper». Was ist noch zu erforschen? Für Schauspieler, Tänzer, Menschen mit Behinderung gibt es immer Situationen, in denen sie von sich selbst überrascht werden – und sei es durch eine bestimmte Kopfneigung, die einer Haltung plötzlich eine ganz andere Bedeutung geben kann. Ich finde das...
Völlig losgelöst, scheint sie zu schweben. Befreit von aller Erdenschwere. Etel Röhr tanzt, als wäre sie nicht einfach wie Aphrodite schaumgeboren, sondern gleich einer Nymphe in ihrem ureigensten Element. Dass dem nicht so ist, sondern dass es einer gewaltigen Anstrengung bedarf, die Leichtigkeit des Seins auf diese Weise zu erfahren, kann man sich denken. Sich...
Sie ist die ungekrönte Königin der Grimassenkultur. Marlene Monteiro Freitas, aus ihrer kapverdischen Heimat nach Lissabon gelangt, stellt alle Begriffe von Ästhetik auf den Prüfstand. Sie hält es mit Performance, Clown und Karneval, mit Punk und Martialischem. Schon ihr irrwitziges Solo «Guintche» setzte ein Ausrufezeichen, wie man es in der Tanzlandschaft kaum...
