Zürcher Neuheiten
Längst hat sich der Sommer verabschiedet. Wie in Eiseskälte erstarrt, verharren die Tänzer auf der Bühne des Zürcher Opernhauses, als ob sie eines Toten gedächten. Nur Neonlicht. Nackte Betonwände ringsum. Nichts Wärmendes, nirgends. Selbst die Musik scheint zu frösteln. Die Klänge klirren, als Mauro Peter hinabsteigt in den nicht gar so tiefen Orchestergraben, um von dort aus eine «Gute Nacht» zu besingen, die dem Wanderer so gar nichts Gutes verheißt: «Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus.
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Spuck: abgründig
Schuberts «Winterreise» wird vorgestellt in der «komponierten Interpretation» von Hans Zender, die schon John Neumeier und Tim Plegge als Ausgangspunkt diente. Christian Spuck eröffnet sie alle Möglichkeiten, das Abgründige aufzuzeigen, das man in den Liedern allzu gern überhört. Und das ist durchaus konkret zu verstehen. Immer wieder öffnet sich der Boden, als gäbe es dort eine Grabesgrube. Mal stehen die Menschen darin, dicht gedrängt, den Rücken zum Publikum gekehrt, so wie man das aus Gemälden von René Magritte kennt. Mal taucht daraus ein Lied lang eine der Krähen auf, die erst zum Schluss, wenn vom «Leiermann» die Rede ist, symbolkräftig, das heißt in ...
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Tanz Dezember 2018
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Hartmut Regitz
CD des Monats: Strawinsky, Hindemith
Früher haben sich Musiker als Grußbotschaft gelegentlich einen Kanon zugeschickt. Paul Hindemith tat das gern und hat auf diese Weise Igor Strawinsky zu seinem 75. gratuliert. Der wiederum fühlte sich davon im höchsten Maße beglückt – und komponierte postwendend auf die gleiche Art.
Beide Kanons finden sich nicht auf dem...
Newcomer: Frank Gizycki
Vorab eine Anekdote: Im Sommer 2017 traf ich mich in der Brüsseler Innenstadt mit Freunden. Unter ihnen war ein mir unbekannter Tänzer, ein sympathischer Typ: witzig und gewinnend. Sein Vorname war Frank, sein polnischer Nachname für uns kaum auszusprechen. Aufgewachsen war er im südfranzösischen Albi. Beim Abschied verabredeten wir ein...
Wer 2016 die Art Basel besucht hat, erkennt das Bühnenbild in Göteborg auf Anhieb wieder. Die eng bepackten Bücherregale mit namenlosen Bänden um einen Seerosenteich. Das Chesterfield-Sofa, den Konzertflügel, das anonyme Grau: Für Sidi Larbi Cherkaouis neues Tanztheater «Stoic» hat der bildende Künstler Hans op de Beeck seine begehbare Installation «The Collector’s...
