Monte Carlo 1890-190. Foto: Library of Congress
Monte Carlo
Nimmt man von Nizza kommend die Küstenstraße, wo das zunächst hinter Hügeln verborgene Mittelmeer uns unvermittelt mit seiner Verführungskunst blendet, muss man beim Anblick des wie eine vorgelagerte Festung aus dem Wasser aufragenden, vom Fürstenpalast beherrschten Felsens erst einmal die Augen schließen.
Vom Monaco Diaghilews und seiner Ballets russes ist nichts mehr geblieben in dieser Favela aus Beton, wo die Gebäude sich in dem begrenzten Raum, den das Gebirge ihnen an seinen Ausläufern lässt, dicht an dicht zusammendrängen, auch noch den letzten Quadratmeter besetzen, ihre Nachbarn zu übertrumpfen suchen, um vom obersten Balkon einen Blick auf das Meer zu erhaschen, bevor sie selbst von den noch mächtigeren, noch luxuriöseren ausgestochen werden. Bis hin zu dem Wolkenkratzer, der alles andere in den Schatten stellt, die Tour Odéon, die mit ihrer gewaltigen Glasfront die Stadt unter sich begräbt und mit einem 3300 Quadratmeter großen Miniatursee für das teuerste Penthouse der Welt dem Meer selbst Konkurrenz machen will.
Inmitten dieser umzingelten, verzwergten Ungetüme, von denen so manche nie wieder das Licht der Sonne sehen werden, entdeckt man bei einem Streifzug durch die ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Mythische Orte, Seite 16
von Jean Rouaud
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