Trier
Wieder am 25. März 2017 in Trier
Am Anfang ist allein ein Porträt Dore Hoyers zu sehen. Und auch zwischen den einzelnen Szenen ihres Zyklus lässt sich die legendäre Ausdruckstänzerin zumindest ahnen, die sich in der Silvesternacht des Jahres 1967 voller Verzweiflung vom irdischen Dasein verabschiedet hat. Eine Filmaufzeichnung der «Afectos Humanos» macht ihre Vergegenwärtigung möglich. Aber selbst im Rahmen einer Bühnenadaption hat ihr Schatten noch immer etwas Übermächtiges.
Sich vor ihm zu behaupten, ist alles andere als einfach, und Renate Graziadei muss denn auch ihre ganze Kunst auf den einen Augenblick konzentrieren, um nicht hinter dem «Vor-Bild» völlig zu verschwinden.
Die Mitbegründerin von LaborGras tanzt am Theater Trier anstelle von Susanne Linke, die 1987 «Afectos Humanos» erstmals in ihrer Rekonstruktion vorgestellt hat, und sie interpretiert sie auf ihre Art: die «Liebe» nicht gestenreich bekniend, aber sonst mit einer ganzheitlichen Intensität und gestalterischen Größe, die allein der Bedeutung des Originals angemessen sind. Dabei wirkt Renate Graziadei eher schmächtig. Ihr Erscheinungsbild hat etwas Asketisches. Aber vielleicht ist es gerade das, was zu einer Hohepriesterin passt, ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 44
von Hartmut Regitz
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