Abou Lagraa «Dakhla» in Recklinghausen
Dakhla ist das arabische Wort für Tor, Eingang, Hafen. In drei Hafenstädte führt uns Abou Lagraa: Hamburg, Algier, New York. Drei verschiedene Lebensgefühle, zusammengehalten von vier Tänzern: zwei Damen, zwei Herren, zwei Pärchen – eines aus dem Hip-Hop, das andere aus dem zeitgenössischen Tanz. Touristische Perspektiven lässt Lagraa links liegen. Es gibt in «Dakhla» keine Fotos, keine Videos, keine Bühnenbilder, weder kulturelle noch politische Statements.
Es ist das Gegenteil seiner so engagierten wie komplizierten Vorgänger-Produktion zum «Hohelied» (tanz 4/16). Hier konzentriert er sich voll auf die Interpreten und ihren Tanz. Doch so unterschiedlich die Kontinente auch sein mögen, letztlich zeigt Lagraa, was die Welt zusammenhält: Reisen, Migration, Begegnung. Ist «Dakhla» etwa unbewusst doch ein politisches Stück geworden?
Der choreografische Landgang in Algier wird von Chaabi-Musik untermalt, einem volkstümlichen Genre, das aus der arabo-andalusischen Musik hervorging. Lagraa bekräftigt: «Noch heute leben in Algier viele Spanier, Ägypter, Franzosen, Chinesen und Syrer, auch wenn es nicht mehr möglich ist, dass ein Muezzin und ein Rabbiner eine Freundschaft pflegen.» Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2017
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Thomas Hahn
Noch auf seine alten Tage in New York geriet George Balanchine ins Schwärmen, wenn er sich der längst vergangenen kulinarischen Hochgenüsse des Jahres 1924 erinnerte: «In Deutschland war das Essen wundervoll. Ich erinnere die billigste Mahlzeit – gekochte Kartoffeln mit Hering und gehackten Zwiebeln. Obendrauf etwas Olivenöl. Dazu wurde Weißbrot gegessen und Bier...
Sie unterrichten in Darmstadt Yoga und Contact Improvisation, kurz CI. Wie kam es dazu? Ich habe als Kind Ballett gemacht, irgendwann aufgehört und mit «authentic movement» begonnen, was eine eher spirituelle Bewegungsarbeit ist. Dann habe ich auf einem Festival in Göttingen CI kennengelernt und fühlte mich sofort darin wohl. Freiheit im Tanz – das wollte ich...
Es ist der Körper, genauer: der «fotografierte Körper aus der Vergangenheit», der ihm zeigt, wie tief und unauslöschlich seine Klassenherkunft in ihn eingeschrieben ist. Als Didier Eribon das erkennt, ist er längst einer der führenden Intellektuellen Frankreichs. Er hat eine vielbeachtete Biografie über Michel Foucault verfasst, ist Vordenker der Queer Studies,...
