man tanzt deutsch
Übertriebenen Nationalismus kann man dem deutschen Tanz wirklich nicht vorwerfen: Von Jean-Georges Noverre und den Taglionis über John Cranko bis William Forsythe ist die Geschichte des Balletts in Deutschland eine der Gastarbeiter – und das Publikum nahm sie stets mit offenen Armen auf. Eine eigene, dauerhafte Schule wie die Franzosen, Russen, Dänen und US-Amerikaner hat das Ballett hierzulande nie zustande gebracht.
Kein Goethe, kein Wagner, kein Brecht tauchte in seiner Entwicklung auf – aber immerhin Pina Bausch, die gemeinsam mit den Goethe-Instituten die Welt eroberte, wenn auch als eher singuläre Erscheinung. Was man im anglo-amerikanischen Sprachraum einmal unter «German Dance» verstand, ist ein knappes Jahrhundert alt: der Ausdruckstanz, unser wichtigster Beitrag zur Tanzgeschichte, der wie alle Avantgarde-Kunst der 1920er-Jahre durch die Nazis verdrängt, verjagt – in diesem Fall auch: partiell unterwandert – wurde. Seine Geschichte wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, danach ging die stilistische Diversifikation erst richtig los: Leichter und neugieriger als die anderen Künste absorbierte der Tanz in Ost wie West den kulturellen Einfluss der Besatzungsmächte.
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Tanz Oktober 2013
Rubrik: ideen, Seite 62
von Angela Reinhardt
Zur «Generation Erben» zu gehören, gilt nicht gerade als Ruhmesblatt. Der Generalverdacht lautet: Nachlassverwerter zählen zur Kategorie der Leistungsverweigerer und familiären Parasiten, die verprassen, was die Altvorderen durch fleißiger Hände Arbeit erwirtschaftet haben. Ganz anders im Tanz: Hier hat es noch nie was zu verjubeln gegeben, vielmehr verflüchtigt...
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