freiheit
Akram Khan erinnert sich: «Als mein Telefon klingelte, war es drei Uhr morgens. Richard Raymond war dran, der Filmproduzent. Ich wollte auflegen, er aber flehte: Hör dir bitte diese Geschichte an! Nur zwei Minuten! Was soll ich sagen? Ich biss voll an!» Die Geschichte, die Raymond dem Choreografen erzählte, hat sich wirklich zugetragen. Es ist die Geschichte von Afshin Ghaffarian: 1986 im iranischen Mashhad geboren, 2010 nach Europa geflohen, in Paris ansässig und immer noch – ein leidenschaftlicher Tänzer und Choreograf.
Das verbindet ihn mit Akram Khan, den Richard Raymond nicht grundlos aus dem Bett klingelte. Ghaffarians Geschichte ist ein Filmstoff, wie ihn kein Drehbuchschreiber erfinden kann: Ein junger Künstler bietet einem repressiven Regime die Stirn, schart andere um sich, hält sich an keinerlei Verbot, sondern macht Wirbel – bis er inhaftiert, von den Schergen des Systems verprügelt wird und schließlich flieht, um sein Leben zu retten. Und seine Kunst.
Bei den Filmfestspielen in Cannes 2012 stellte Richard Raymond das Film-Projekt vor, das Ghaffarians Schicksal zum Leinwand-Epos macht: «Desert Dancer», derzeit noch in der Postproduktionsphase, soll im Lauf des Jahres in ...
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Tanz Juni 2013
Rubrik: tanzkongress, Seite 64
von Thomas Hahn
Diesmal hat Kassels Tanzchef Johannes Wieland den Wiener Choreografen Chris Haring eingeladen, der mit Künstlerkollegen als Liquid Loft seit 2005 absolutes Formbewusstsein beweist. Mit zwei Stücken von jeweils knapp einer Stunde Dauer ist der Abend nicht eben klein geraten. Zudem sind «White Noise Tragedy» von Wieland und «Lego Love» von Haring unter dem Übertitel...
1981, Harlem, New York. Ein älterer, leicht besoffener Herr zuckt unkontrolliert mit den Schultern: Erst schießt die linke nach oben, dann schiebt sich mit der Hüfte auch die rechte Schulter nach vorn. Sein Unterkörper bewegt sich in stoßartigen Bewegungen rhythmisch vor und zurück. Der ganze Körper gerät in epileptisches Schütteln und Rütteln. Was dieser Mann...
Wie tanzt man eine Metaebene? Die Fläche, auf der die 16-köpfige Forsythe-Company im Frankfurt LAB die «Study #3» tanzt, fällt nach vorn ab. Das ist schon ein bisschen meta:
Sie zitiert die Bühne der Oper in Brescia, wo die Kompanie 2012 gastierte. William Forsythe schwärmte noch Monate später: «Wenn man diese italienischen Theater betritt, ist man étonné,...
