Es lebe Multikulti!
Vielleicht haben diejenigen Menschen sogar Recht, die von Ausländern, die nicht das Glück haben, Mitglieder der EU zu sein, präzise Kenntnisse unserer Kultur verlangen, falls sie «bei uns» überleben wollen. Das lateinische Unwort dazu heißt «Integration». Das deutsche Wort «Anpassung» klänge zu verdächtig. Ausgenommen von der Integration sind (lacht da jemand?) «Kulturschaffende». Ihre Ware ist ja gerade das Fremde.
Der Tanz aus Vietnam, wie bei Ea Sola, soll sich nicht adaptieren, obwohl gerade im Tanz eine fulminante Sehnsucht nach «Integration» existiert: Wie «zeitgenössisch» tanzt eine Vietnamesin, damit wir sie verstehen? Oder hat ihre «Integration» nicht längst stattgefunden, als sie Ballettstunden nahm?
So verständlich die Sehnsucht nach einem kulturellen Miteinander im Rahmen der westlichen Weltverfassung ist: Unübersehbar ist die Sehnsucht nach der «anderen Kultur» – gerade im Tanz. Wie fasziniert und respektvoll sind doch die Briten von Bollywood und Bharata Natyam. Wie befreit die Deutschen, die auf der Salsa-Welle von erregten Körpern träumen. Und wie glücklich sind Nichtspanier, Zugang zum Flamenco finden zu dürfen, der – wie Javier Latorre im Interview sagt — schon ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Jeden Samstagabend kommt «Let’s Dance». Gute, also bis tief in den Mai zu ertragende RTL-Unterhaltung heißt, Kandidaten in eine Zwangssituation zu bringen. Nichts scheint in Deutschland unangenehmer als zu tanzen, und das noch mit echten Tänzern! Schon in der Pilotsendung klagt Soap-Schauspieler Wayne Carpendale über Schulterschmerzen, die No-Angels-Ex Sandy...
Alles endet, wie es begann: eine ergraute, seltsam alterslose Gesellschaft lagert leblos hingestreckt auf Plastikschalsitzen. Schlaf? Koma? Altersheim? In der jüngsten Produktion des kanadischen Spiritual-Choreografen Benoît Lachambre mit seiner Kompanie par b.l.eux ist die Bühne ein Ort des Versickerns. Leben findet statt als Behauptung. Austausch wird zum...
Ortega Fernandez tanzt als Giselle unangreifbar heiter mit der Anmut des Naturkinds. Diese Zutraulichkeit hat ihren Preis: Sie verliebt sich in ihren Unterdrücker. Der Herzog bändelt in St. Gallen incognito zwischen gefüllten Wäschekörben mit dem Mädchen an. So erzählt Philipp Eglis «Giselle» von modernen Arbeitssklaven und skrupellosen, sciencefictionartig...
