osnabrück
Wie will ein Choreograf einer großen Sinfonie beikommen mit nur zehn Tänzern? Indem er nicht klein beigibt, aber auch nicht versucht, ein Riesending draus zu machen. So wagte sich Mauro de Candia in seiner dritten Spielzeit als Tanzchef am Theater Osnabrück mit recht achtbarem Erfolg an die 1. Sinfonie von Johannes Brahms. Dass er einige Jahre Tänzer bei Stephan Thoss war, sieht man seinem Stil nur entfernt noch an. Der Choreografie fehlt indes gerade die Thoss’sche Sicherheit der Setzung bis in die feinsten, schärfsten Winkelgrade.
Das Ensemble, auf flacher Sohle und in uniformen hellen Bodys, platziert de Candia abwechslungsreich. Mal verteilt er es gleichmäßig, vom Publikum abgewandt, wie einen stillen Wald, mal formt er eine Linie von vorn nach hinten, mal reihen sich alle am Orchestergraben, senken ihre Köpfe tief hinab und rucken die Rücken. Zuweilen lässt er einige Tänzer stehen, einige tanzen, der Rest bildet ein Knäuel, das in unterschiedliche Richtungen langsam wogt.
Dann paart er alle für zwei, drei Hebungen oder formt einen großen Schwarm, zu dem ein Einzelner das räumliche Gegengewicht hält. Dennoch sind solche choreografischen Gedanken oft etwas kurzatmig. Die häufigen ...
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Tanz April 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Melanie Suchy
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