Stichprobe: In Dresden wirbelt die shot AG

Tanz - Logo

Wenn es sein muss, tanzen sie sogar auf schmelzenden Butterbergen. Doch diesmal winden sich Nora Schott und Ariane Thalheim im Staub ihres Angesichts, bis ihren Larven nicht Schmetterlinge, sondern zwei brisante Kunstgeschöpfe entschlüpfen. Und die fackeln nicht lang. Wann immer sie tanzen, sind sie Feuer und Flamme und brennen ihre Bewegungen ab, als wäre ihre Choreografie eine ­Lunte.
«Soft Gum – Slow Gun» nennen die Gründungsmitglieder der shot AG ein Projekt im Rahmen der Dresdner «Insel-Lösung», das seine Sprengkraft schon vom ersten Moment an aktiviert.

Wie verzweifelt gebärdet sich der Spot. Wenn der Strahl in der dunklen Schneu­ne zufällig mal auf eine der beiden Tänzerinnen trifft, lässt sich deren Tanz nie «verorten». Alles scheint sich aufzulösen in extremer Bewegtheit. Unmöglich, auch nur einen flüchtigen Eindruck der zertanzten Persönlichkeit zu erhaschen. Nicht eine Sekunde lang fügt sich der fragmentarische Körper zum Ganzen. Da ein Stück weißer Haut, dort ein gehetzter Schatten, zwischendurch die nackte Wand, als ob sie den «visions ­fugitives» Einhalt gebieten könnte.
Natürlich kann so was nicht von Dauer sein. Also schaffen Nora Schott und Ariane Thalheim immer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2005
Rubrik: On Stage, Seite 45
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Der Feuervogel»

«Schmuck und Kaugummi müssen draußen bleiben!» Auf dem Boden der Berliner Arena ist ein großes Geviert markiert. Wer den Tanzteppich betritt, muss sich den Bedingungen aller Beteiligten unterwerfen. Keine Schuhe! Auch nicht Socken! Volker Eisenach, Co-Choreograf beim 22. Projekt von Zukunft@BPhil, bleibt hart. Nur wer barfuß agiert, kann am Warm-up teilnehmen. Vor...

In Tränen tanzen

Die Träne quillt. Über die Reling eines Schiffs gebeugt, sinnt ihr der «Dichter» lange nach. Während sie ins Wasser tropft,  gewinnt in der Tiefe des kollektiven Unbewussten seine Sehnsucht körperhafte Gestalt – und gleich ihm erleidet die «kleine Meerjungfrau» ein Los, das beide am Ende zwar nicht glücklich, zumindest aber unsterblich macht. Keine der Erzählungen...

Zwiesprache mit Anima

Altmodische Zinkwannen mit Waschbrettern stehen auf der Bühne, an denen die Tänzerinnen rituelle Waschbewegungen vollführen. Carolyn Carlson glaubt an das Spirituelle: «Wache auf zum Geheimnis: ‹Wash The Flowers›, finde deine verborgene Vergessenheit!», fordert die Choreografin im Programmheft auf. Das mutet esoterisch an. Es ist Carlsons neuem Stück nicht...