cottbus
Eine Musik wie aus Wasser. Und in Wasser taucht denn auch das projizierte Gesicht Odettes ein. Während sich der zitierte Tschaikowsky-Ton allmählich aufhellt, scheint sich die Frau indes völlig aufzulösen, um wenig später auf der Bühne leibhaftig in Erscheinung zu treten – und mit ihr ein Ensemble in einheitlichem Weiß, ganz offensichtlich das Element Wasser inkorporierend.
Ein «Schwanensee», wie ihn die Ballettgeschichte kennt, lässt sich mit einem halben Dutzend Tänzer kaum bewältigen.
Auch choreografiert Gundula Peuthert, einst eine Meisterschülerin der Palucca-Schule Dresden, nicht eben klassisch, sondern bevorzugt eher ein zeitgenössisches Bewegungsidiom. Beides berücksichtigend, entwickelt sie aus dem Stoff, aus dem eigentlich Märchen sind, das Psychogramm einer Frau, die möglicherweise ins Wasser geht, aber bei ihrem Selbstmordversuch vielleicht nur den Verstand verliert. Gundula Peuthert nennt ihre Version deshalb nicht ohne Grund «Schwanenseele» und spricht im Programmheft von einer Odette, die im Wachkoma liegen könnte oder sich einfach in eine Fantasiewelt flüchtet, um den Verlust ihres Geliebten zu verkraften.
Wie man den Kubus auch drehen und wenden mag, den Heike ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Hartmut Regitz
Guy Debord war französischer Chefdenker und Gründer der kapitalismuskritischen Situationistischen Internationale. 1978 schuf er seinen letzten Film, dessen Titel sowohl vorwärts wie rückwärts gelesen «in girum imus nocte et consumimur igni» hieß. Zu Deutsch: «Wir irren des Nachts im Kreis umher und werden vom Feuer verzehrt». Nun prangt dieser altrömische...
frankfurt, dresden
THE PRIMATE TRILOGY
Jacopo Godani übernimmt The Forsythe Company und setzt fort, was Dresden und Frankfurt, Hessen und Sachsen finanziell ermöglichen – eine Tourkompanie, an der vieles neu ist: der Chef, die Tänzer, das Programm, vor allem der Name: Dresden Frankfurt Dance Company heißt nun leicht liebedienerisch das Gebilde, das die Handschrift...
Eine Spielzeit kann, wie beim Fußball, entweder 90 Minuten oder, wie im Theater, elf Monate dauern. Im Theater steht das Ergebnis schon fest, bevor sich der Vorhang hebt. Bereits im letzten März gingen die Theater in die Druckerei. Jetzt sind sie da, ihre Saisonbücher 2015/16. Groß, knallbunt, sperrig. Sie zeigen, wie sehr das Theater gestern schon eine Ahnung...
