Marzipanfiguren auf einer Hochzeitstorte
Sie stehen da wie Marzipanfiguren auf einer Hochzeitstorte, Marie in cremefarbenem Negligé und Hugo in biederem Anzug, die beiden Hauptpersonen in Mei Hong Lins Übersetzung von Georges Rodenbachs Roman «Bruges-la-Morte». Statt von einer Torte wird das Paar von einer hügeligen Landschaft aus schwarzem Tüll umgeben, viel Nebel und weiße Lilien – Symbol der Reinheit, Schönheit und des Todes. Michael Erhard hat für seine Komposition eine berührende Form gefunden und mit Cello, Saxofon und Klavier den Abend musikalisch sehr gut getroffen.
Da trauert der Witwer Hugo um seine Frau Marie, zieht nach Brügge, einer Stadt, in der es immer neblig ist. Dort kann er seine Melancholie am besten ausleben. Hier trifft er auf die Tänzerin Mariette, in der er seine verstorbene Ehefrau erblickt. In der lebenden Mariette liebt er die tote Marie. So was kann nicht gut gehen.
Ballettdirektorin Mei Hong Lin – als eine der wenigen Frauen in dieser Position an deutschsprachigen Theatern – versucht eine choreografische Annäherung an die Geisteshaltung des Fin de siècle. «Das tote Brügge» gehört zum Opus von Verfall und Niedergang. Auch der Titel «Schwanengesang» stammt aus dem Roman: «Ja, der Schwan hat ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Mei Hong Lin: «Das Haus der Bernarda Alba» in Darmstadt
Mei Hong Lin: «Ainadamar» in Darmstadt
Mei Hong Lin: «VergissMeinNicht» in Darmstadt
Beim 22. Int. Wettbewerb für Choreografen in Hannover nannten die drei Chinesinnen ihre minimalistische Arbeit noch «Ever More» und holten sich damit den 2. Preis. Ausgereift bis in die letzte Geste und zu Arvo Pärts «Pari Intervallo» getanzt, nennt sich das Trio von Juan Juan Sun, Di Sha Zhang und Xiao He Liu jetzt, ein Jahr später beim Wettbewerb «no ballet» in...
... starb 1992, am 11. Dezember hätte er seinen 80. Geburtstag gefeiert. Ihm zu Ehren zeigt das Stuttgarter Ballett die 1965 entstandene Gustav-Mahler-Choreografie «Das Lied von der Erde» und das 1976 geschaffene «Requiem» zur Musik von Gabriel Fauré. Beide Ballette wurden in Stuttgart uraufgeführt.
MacMillan begann wie John Cranko als Tänzer am Sadler’s Wells...
So sanft wurde auf der Bühne noch keine Carmen gemordet. Don José zieht ihr das schwarz-rote Schleppenkleid aus, und die untreue Geliebte schreitet in dunklem Trikot nach hinten ab, einem leise flatternden Vorhang entgegen, der sie schließlich verschluckt. Es ist der einzige poetische Moment in Cayetano Sotos Dortmunder «Carmen». Der junge Katalane will es anders...
