Eva-Maria Lerchenberg-Thöny «Macbeth»

braunschweig

Tanz - Logo

Das Opfer sperrt und wehrt sich gegen die Angriffe. Keine Chance. Behende klebt der Verfolger Zeitungsblätter auf den Körper. Immer mehr gedruckter Dreck bleibt an ihm haften – bis er unter der Papierlast der Lügen kollabiert. Ein zweifellos plakatives Bild in Eva-Maria Lerchenberg-Thönys «Macbeth». Es bedarf keines blutigen Schlachtens, um Gegner zu erledigen. Die Medien führen die Waffen. Das «Prinzip Macbeth» heißt: Rufmord. Durch Denunziation, Hetzkampagne, Verleumdung macht man unliebsame Widersacher (mund)tot.

   
 

Inspiriert durch Shakespeares Tragödie, choreografiert die Braunschweiger Tanztheaterdirektorin eine Parabel über die zerstörerische Energie bei schmutzigen Globalgeschäften. In tänzerischem Furor feiern sie und ihre exzellente Kompanie zum Abschied einen satirischen Kehraus mit der Hexensippe des Bösen. Die fällt dem Publikum in den Rücken, krabbelt insektenhaft über Parkettreihen hinweg, erobert sich die Bühne und verschwindet nach vollbrachtem Massaker lautlos, wie sie gekommen war. Wie ein Heuschreckenschwarm. 
 

Den Größenwahn einer angemaßten Weltherrschaft setzt die Choreografin plastisch ins Bild. Viel zu groß sind Tisch und Stühle für die ehrgeizig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2010
Rubrik: KALENDER, Seite 32
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
demis volpi

Wenn das Stuttgarter Ballett mal wieder einen Choreografen als Ballettdirektor in die Welt hinausschickt, diesmal Christian Spuck, liefert die Noverre-Gesellschaft zuverlässig Nachschub: diesmal die drei Namensgeber des neues Programms «Breiner Lee Volpi» im Schauspielhaus, die alle in Reid Andersons Kompanie tanzen. 

 

Douglas Lee liebt das extreme Verbiegen der...

Mario Schröder «Das Nibelungenlied»

Einen Komponistennamen sucht man auf dem Besetzungszettel vergebens. Anders als in Göteborg, wo Ulf Gadd 1983 seinen «Ring» vorstellte, anders als in Berlin, wo Maurice Béjart einen grandiosen «Ring um den Ring» als Vermächtnis hinterließ, anders als in Trier, wo sich zuletzt Birgit Scherzer unter dem Titel «Alles weiß ich: Alles» mit Ringmotiven beschäftigte, fußt...

Ausstellungen

Horst Kløver

«Wenn du an etwas arbeitest – an irgendetwas –, dann willst du es verstehen. Du musst es sehen, aufnehmen und alles darüber lenen». Das war die Philosophie von «Papa Flash», dem Erfinder des Kamerablitzlichts, Harald E. Edgerton. Blitze als Stroboskope in Reihe zu schalten, um damit Tänzer zu fotografieren, das machte ­Gjon Mili in den Dreißigern in...