Eva-Maria Lerchenberg-Thöny «Macbeth»
Das Opfer sperrt und wehrt sich gegen die Angriffe. Keine Chance. Behende klebt der Verfolger Zeitungsblätter auf den Körper. Immer mehr gedruckter Dreck bleibt an ihm haften – bis er unter der Papierlast der Lügen kollabiert. Ein zweifellos plakatives Bild in Eva-Maria Lerchenberg-Thönys «Macbeth». Es bedarf keines blutigen Schlachtens, um Gegner zu erledigen. Die Medien führen die Waffen. Das «Prinzip Macbeth» heißt: Rufmord. Durch Denunziation, Hetzkampagne, Verleumdung macht man unliebsame Widersacher (mund)tot.
Inspiriert durch Shakespeares Tragödie, choreografiert die Braunschweiger Tanztheaterdirektorin eine Parabel über die zerstörerische Energie bei schmutzigen Globalgeschäften. In tänzerischem Furor feiern sie und ihre exzellente Kompanie zum Abschied einen satirischen Kehraus mit der Hexensippe des Bösen. Die fällt dem Publikum in den Rücken, krabbelt insektenhaft über Parkettreihen hinweg, erobert sich die Bühne und verschwindet nach vollbrachtem Massaker lautlos, wie sie gekommen war. Wie ein Heuschreckenschwarm.
Den Größenwahn einer angemaßten Weltherrschaft setzt die Choreografin plastisch ins Bild. Viel zu groß sind Tisch und Stühle für die ehrgeizig ...
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