Libor Vaculík: «Faust»

in Prag

Tanz - Logo

So könnte auch eine Aufführung der Prager Laterna Magica anfangen. Ein gealterter Clown Ferdi­nand mit der Geige tritt vor den roten Samtvorhang eines verschlissenen Cabarets und kratzt ein paar Töne. Nur handelt es sich hier im Ständetheater um die Uraufführung eines Faust-Balletts.
Der Clown ist Faust. Per Vertrag mit dem alerten Direktor dieses kleinen Welttheaters wird er zu Feustel, jung und schön, ein Meister auf der Teufelsgeige, dem Mann und Frau so gern erliegen. Eine ist Gretchen, die blonde Schönheit aus dem Ghetto, die sich zu Klezmer-Klängen wiegt.


Klar geht das nicht gut. Es war ein Teufelspakt, den der Künstler mit dem Direktor des Schmierentheaters schloss. Die Schmiere wird braun, der Chef ist Adolf Hitler, sein Geiger reckt den Arm. Dafür darf er Margarethe auf allen Stationen ihres Elends bis an die Gaskammer in Auschwitz-Birkenau folgen und sie noch im Schatten des Todes schwängern. Nur retten kann er sie nicht. Sie ermordet ihr Kind, um es vor den Mord-exzessen der nationalsozialistischen Tänzer zu schonen.
Dann ist der Krieg vorbei. Feustel hat überlebt, Margarethe und die Geige haben es auch. Das Cabaret schmückt sich mit Hammer und Sichel statt Hakenkreuzen. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2010
Rubrik: Kalender, Seite 50
von Boris Michael Gruhl

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nachruf

Bob Curtis aus Mississippi, 1994 nach Österreich übersiedelt, war in gewisser Weise der Doyen der Wiener Tanzszene. Seine hagere Gestalt, sein ebenmäßiges Gesicht, seine Eleganz und Bescheidenheit machten Curtis nach fast 60 Jahren in Wien zum charismatischen Vertreter einer effektvollen Mischung aus afrikanischem Tanz, Ballett und Modern-Dance-Elementen. Bei all...

Dieter Blum

Der Preis: 1500 Euro. Damit ist es wohl eines der teuersten Ballettbücher aller Zeiten. Ein «Band mit exklusivem Cover in einer handgearbeiteten, mit Buchleinen bezogenen und rotem Pergament ummantelten Kassette», heißt es im Verlagsprospekt, inklusive Skia-Photography-Print, von beiden, Dieter Blum und Vladimir Mala­khov, handsigniert. Die Auflage ist limitiert...

Nachruf

Das Leben hat in ihrem Gesicht tiefe Spuren hinterlassen, von Schicksalsschlägen blieb Susana Janssen Audeoud nicht verschont. Ein Schlaganfall vor fast 20 Jahren bereitete der eigenen Arbeit ein Ende. Aber Susana ließ sich auch den Premierenbesuch von «Florescencia» nicht nehmen, vor wenigen Monaten, im Rollstuhl sitzend, zum 25-jährigen Jubiläum der Kompanie...