st. gallen Marco Santi: «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten»

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Was vor 21 Jahren als kleiner Skandal das Wiener Burgtheater erschütterte, erscheint heute als Vorwegnahme des aktuellen, stark körper- und aktionsbetonten Regietheaters. Peter Handkes Experiment «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten» ist ein Schauspiel ohne Sprache und zeigt Momentaufnahmen anonymer Menschen, die einen Platz überqueren.

Vielleicht war das Stück schon immer für die Hände eines Choreografen bestimmt, vielleicht lässt erst der Tanz die surreale Poesie aufblühen, die Handke in all dem Huschen, Staksen, Lustwandeln, Stepptanzen oder Um-sich-selbst-Drehen versteckt hat, das er auf 60 Seiten Regieanweisungen von seinen Passanten verlangt. Diesen assoziationsreichen Schwebezustand erreichen der St. Gallener Tanzdirektor Marco Santi und sein Ensemble zunächst ganz leicht, was sicher auch an der jazzig-rhythmischen Wohlfühlmusik liegt.

Zwei bestens aufspielende Straßenmusiker, Roderik Vanderstraeten und Sasha Shlain, steuern sie aus der linken Bühnenecke bei, durchsetzt von traurigen Sopran-Vokalisen und einer Händel-Arie. Mit der Naivität eines Clowns neigt sich die Inszenierung immer wieder sanft dem Zirkus zu, entgleist auch ein-, zweimal zur Revue. Noch immer ...

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Tanz Mai 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 57
von Angela Reinhardt

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