Warschau: Liam Scarlett, Krzysztof Pastor: «Nasz Chopin»
«Notre Chopin» nennt sich der Ballettabend, auf Polnisch: «Nasz Chopin». So ganz stimmt das nicht. Seine Gebeine sind in französischer Erde bestattet. Nur das Herz hat, in einer Säule der Heiligkreuzkirche eingemauert, in Warschau seine letzte Ruhe gefunden. In Cognac gebadet, brachte es seine Schwester 1849, Frédéric Wunsch folgend, zurück in die Heimat. «Denn wo euer Schatz ist», so lautet die Inschrift auf der Gedenktafel, «da ist auch euer Herz.
»
An Herzblut fehlt es nicht bei dem Doppelprogramm, mit dem das Polski Balet Narodowy unweit der Heiligkreuzkirche der hundertjährigen Wiederkehr der polnischen Unabhängigkeit gedenkt. Der Einheitsraum im Teatr Wielki gleicht einem Stück ausgerollten Papiers, mit dem Tatyana van Walsum möglicherweise auf eine Vertragsunterzeichnung anspielt. Auch das Weiß und Rot ihrer Kostümierungen könnte beim «Koncert f-Moll» durchaus als Verweis auf die Flaggenfarben verstanden werden. Vielleicht lässt sich das ganze Stück, das einem Außenstehenden eher abstrakt vorkommt, ja durchaus als Geschichtsabriss verstehen – und als Memento, das die gegenwärtige Politik Polens reflektiert. Krzysztof Pastor hat es jedenfalls als Auseinandersetzung zwischen ...
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Tanz April 2019
Rubrik: Kritik, Seite 46
von Hartmut Regitz
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1927 geboren, war er noch Augenzeuge des Warschauer Aufstands 1944. In den 1960er-Jahren entkam er, wie sein Freund, der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der poststalinistischen Intellektuellen-Hatz in Polen und ging, mit Bertolt Brecht unterm Arm, in die Vereinigten Staaten. 1982 kam er, mit Robert Wilson im Gepäck, nach Gießen, um den Studiengang...
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