Freiheit in der Kiste
Wie verwandelt man zeitgenössischen Tanz und Neue Medien in populäre Kunst? Indem man dem Volk die Freiheit gibt, sich zwischendrin selbstbestimmt, frei und locker zu bewegen. Unbeobachtet, dafür aber gefilmt. Die D-boîte (die Tanzkiste) ist mit rotem Plexiglas verkleidet. Die Tür der boîte steht offen. Lebensgroße Fotos von Tänzern in Schwarz-Weiß zieren die Wände. Ein Mausklick reicht, um ein bis zwei Minuten choreografisch Kreatives von und mit Muriel Corbel und/oder Olivier Simola abzurufen. Doch die D-boîte bietet mehr als Interaktivität auf Mausklick-Art.
Wer einsteigt, tanzt selbst, allein oder zu zweit. Zuschauen, nachmachen. Wer möchte, steigt ins rote Karree und wird gefilmt. Die Sequenz kann er sich am nächsten Tag im Internet anschauen und sich selbst herunterladen.
Zwar spüre ich, dass durch die getönten Scheiben mein «Tanz» von außen sichtbar ist, doch das vergesse ich schnell. Ich fühle mich wohl in einer der zwanzig Sequenzen. Herrin über die Kiste ist Marina Wainer, eine Choreografin aus Argentinien, die in Paris Videokunst studierte. Auf ihre Anregungen hin kreierten Corbel und Simola zwanzig Tänze auf neun Quadratmetern.
Was kann diese Kiste? Vor ein paar Jahren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Christopher Nolde, die DaimlerChrysler tv.media hat die DVD «Vladimir Malakhov» produziert. Wie kommt ein Automobilkonzern dazu, sich mit Ballett zu beschäftigen? Wir sind inzwischen zu hundert Prozent eine Tochter der DaimlerChrysler AG. Darum der Name. Aber wir bauen keine Autos, sondern sind ein Medienproduktionshaus, das in erster Linie für den Konzern...
«Alle psychologischen Stigmata hinterlassen ihre Spuren in Körper und Seele und bestimmen das choreografische Schaffen.» So spricht Marie-Claude Pietragalla, herabgestiegen aus den Höhen des Glamours. Herab ins flache Land, in die Gemeinden des ehemaligen Kohlereviers im Schatten der Grenze zu Belgien. Die Primaballerina des Volkes zeigt, dass sie noch lebt, will...
Ein beinah noch junger Mann wundert sich in der Bar des kleinen Wiener Konzerthaustheaters. Er sei zufällig hier bei Wien Modern hereingeschneit, sagt er. So viel junges, ausgelassenes Publikum bei einem Festival für Neue Musik – an einem mehrteiligen Abend, der «Maurische Mauern» heißt und James Joyce zum Thema hat. Der Mann hat mehr elitäre Abgehobenheit...
