marcos morau
Es gab beim letztjährigen Berliner «Tanz im August» mit Marcos Moraus La Veronal ein Ensemble, das später als Shooting-Truppe der Saison herumgereicht wurde. Mit Recht. Was Morau in «Siena» mit wunderschönen Tänzerinnen in einem Museumsambiente – Tizians «Venus von Urbino» an der Wand – entfesselte, war so fein anzusehen wie spannend rätselhaft. Zu barocken Klängen und schrillem Telefonklingeln ver- und entwirrte sich ein Reigen optischer und semantischer Codes, der delikat erdacht und mit wundervoller Eleganz ausgeführt war.
Acht herrliche Damen lieferten sich als Fechterinnen poetische Duelle. Hinter der nackten Leinwandschönen mit der Hand auf der Scham lag plötzlich eine Leiche, später tänzelte ein Mann, der vorher noch als Aufseher herumlief, im Lurexkomplettanzug aus der Szene. Nichts ist, wie es scheint. Welcher Inhalt auf optischer oder akustischer Wellenlänge gerade geboten wird, bleibt hinreißend unklar. Wer starrt hier auf wen? Da werden berühmte Bildkompositionen sekundenkurz nachgestellt, gleichzeitig brabbeln ein Mann und eine Frau aus dem Off Banalitäten. Renaissance trifft 21. Jahrhundert, in sich ruhende ewige Schönheit die ewig aufgeregte Jetztzeit-Hippeligkeit.
Ma ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 170
von Manuel Brug
Ein Lob auf die Einwanderung. Ein Lob auf diesen reichen Quell an Themen, den die Kriege, die Armut, die Gewalt zu uns tragen. Wir dürfen nun all diejenigen verehren, die es trotz Frontex und Triton hierher geschafft haben. Zwar formuliert die türkische Tänzerin Ceren Oran in München es lieber so: «Man bleibt trotzdem heimatlos, allein schon wegen der Bürokratie...
Gerangel. Schwitzende Leiber ringen, gehen in den Clinch. Dann war der Griff zu fest, die Gegenwehr zu heftig. Zack, ist die Hose kaputt. Klafft am Po und rutscht über die Hüften. Kristof Van Boven macht ein unglückliches Gesicht. Später wird erst sein Kopf mit Ton eingepackt, bis er aussieht wie ein Elefantenmann, und dann mit dem Boden verspachtelt. Angenehm kann...
«Ich bin nur mit Frauen aufgewachsen, habe also keinen Grund, feministisch zu sein», sagte sie einmal. Bouchra Ouizguen verdient seit ihrem 15. Lebensjahr ihr eigenes Geld mit Tanz und Choreografie. Und das in Marokko, wo nicht ein einziger Cent öffentliches Geld in diese Kunstform investiert wird. 2003 hat sie zusammen mit Taoufiq Izzediou in Marrakesch die Cie...
