Das Tier ist ein Freund

Tanz - Logo

Das Tier ist ein Freund sagt man, wenn es ein Haustier ist. Es gibt auch Stall-Tiere, die als weniger lieb gelten, nur, weil sie irgendwann gegessen werden. Und es gibt wilde Tiere, doch die sterben aus. Darum stellt jeder neugeborene Eisbär, ob in Berlin oder in Nürnberg, nichts anderes dar als den «lieben Wilden». Der kleine Bär wird zum Pop-Star. Das ist ein neues Phänomen.

Die Fernsehbilder aus dem Nürnberger Tiergarten: Die Eisbärenmutter lässt das Frischgeborene immer wieder auf die Steinstufen fallen – nervös, so überfordert wie verzweifelte Menschenmütter, die ihre Kinder töten. Wir sind Tiere. Sind wir es? Noch nie waren die Tiere uns so unterworfen, sagte der Philosoph Jacques Derrida. Tiere werden industriell geschlachtet, chemisch dem Medikamententest unterzogen, gentechnisch manipuliert, und sie sind bei jedem Kleintierzüchterverein einem Rasse-Begriff ausgesetzt, der ungute Erinnerungen auslöst. Im Angesicht des Aussterbens der Arten muss von «Genoziden» gesprochen werden: einem Treblinka der Tiere.

Was soll da der Tanz? Die ältesten Tänze des Menschen sind Tiertänze, Imitationen von Tier-Bewegungen, neidvolle Versuche, sich so elegant zu bewegen wie ein Löwe. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2008
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Redaktion

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rui Horta: “Scope”

In 2005, Portuguese choreographer Rui Horta presented a piece called “Set Up” as part of a trilogy that, in general terms, sought the place of the body in this vicious world. This implied for him the use of technology to explore the vagueness that today’s fast-moving times have imposed on the body. “Set Up” was far removed from the consistency of “Pixel,” his 2003...

Tier Therapie

Tanztherapeuten sind immer auf der Suche nach dem Menschlich-Allzumenschlichen. Sie suchen die «Animalität», das Tier, das fast wortgleich auch die Seele (Anima) und die Bewegung (Animé) meint. Alles drei steht in einer sehr alten verwandtschaftlichen Tradition. Schon der Grieche Aristoteles fasst den Menschen als Einheit von Körper und Seele auf, um so zwischen...

Grace Ellen Barkey: «The Porcelain Project»

Es gibt Tänzer, die sind Schauspieler, zerkauen schmatzend die Sprache: «I am the King with one leg on the ground, my other leg is floating towards the planet earth.» Eine gefühlte Stunde später rammt eine Ballerina, Tijen Lawton, ihren vertikalen Spagat so gestreckt in den Himmel und damit tief in die Erde, auf so spitzer Spitze, zeigt dazu mit dem freien Finger...