The Maker’s Voice III
Das wäre doch eine hübsche Idee: Wir behaupten, der Tanz gehört dem Zuschauer. Und weil er ihn nicht einfach aus dem Theater mit nach Hause nehmen kann, kann er ihn sich als Tanzdokumentation dauerhaft habhaft machen. So, wie ein Poster zwar keine Gemälde ersetzt. Aber immerhin. Das Video oder die DVD erhält er gegen eine kleine Gebühr. Versteht sich.
Wollte man das allerdings in die Tat umsetzen, es gäbe einen Aufstand der Choreografen, die ihre Kunst für unabfilmbar halten. Und der Musikindustrie natürlich.
Nicht nur Hunger leidende Komponisten, sondern auch gut bezahlte Orchester legen qua Verwertungsgesellschaft ihr Ohr ans Video und mutmaßen Klänge, die zu großen Ausschüttungen fälliger Tantiemen führen. Tänzer und Choreografen als «gebührliche Mitesser» melden sich dagegen gar nicht erst zu Wort. Denn wo sollten sie sich auch anmelden? Egal, niemand will Tanz ohne Musik.
Dabei stünden die Chancen nicht schlecht: Es gibt ja Tanzschaffende, die vor Freude an die Decke springen würden, wenn es ihr Werk auf Video gäbe. Nicht nur als mit Heimkamera aufgezeichnete Dokumentation. Sondern als richtiges Werk, das auch mehr Zuschauer und Veranstalter zeitigen würde.
Utopie? Ach wo. Ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Natürlich ist es das gute Recht jeder Generation, das Rad neu zu erfinden. Selbst das ungläubige, begeisterte Staunen junger Kritiker, dass das neu erfundene Gerät sich tatsächlich dreht, muss man wohl hinnehmen; schließlich haben sie von Welt und Tanzgeschichte noch nicht allzu viel mitbekommen. Leider bringen alle neuen Erfindungen des längst Bekannten die...
Immer wieder hofft der «Kritiker» auf neue Talente. Hoffen wir, dass ihm niemand dabei zuschaut. Mancher Nachwuchschoreograf trägt ungleich schwerer wiegende Hoffnungen. Cosmin Manulescu aus Bukarest ist so einer, sein «Serial Paradise» war eine Entdeckung. Frisch, frech und kritisch analysiert er die für viele so leeren Versprechungen des Systemwandels. Manager,...
Wenn ich mir meinen nächsten Bundeskanzler unter den Choreografen aussuchen dürfte, würde ich ohne zu zögern Tero Saarinen wählen. Denn der parteilose Finne, Jahrgang 1964, verkörpert jene Alternative, die in der Politik fehlt: leidenschaftlichen Humanismus, intellektuelles Partisanentum, moralische Unbestechlichkeit und die strikte Weigerung, seine Ideale den...
