dokumentiert: China-Hair-Connection
Samson, der alte Haudegen aus der Bibel, hatte ein Problem mit seinen Haaren. Er, der den Löwen (Mähne!) bändigte, in dessen eigenem Haar (Ras-ta!) die Bienen nisteten, übte Rache, weil ihm seine Braut geraubt wurde. Wilden Füchsen zündete er die haarigen Schwänze an, um die Felder der Philister niederzubrennen. Das Haar zeigte Macht, bis die schlaue Delila sie ihm abschnitt. Im Schlaf. Von Samson wich alle Kraft. Er wurde gefangen und geblendet. Aber das Haar wuchs nach. Da zerschlug er die Tempel und tötete die Philister zu Tausenden.
Der Langhaarige war schon immer: eine Inkarnation von Macht und Potenz. Darum schnitt man in der chinesischen Kulturrevolution kurzerhand jedes Haar kurz; der Langhaarige ist auch in Deutschland kein Typ, dem man Unterwürfigkeit oder Anpassungsbereitschaft nachsagt. 2006 begannen die langhaarige Angie Hiesl und der einstmals langhaarige Roland Kaiser ein Performanceprojekt in Köln, «… und Haar und Haar und Haar und …» mit einer Schafsherde und Köpfen, die wie Salat aus der Erde lugten und deren Haare wie Hopfen gebunden waren. Samson wütete bald darauf in China, dem Land der Geschorenen, wo Hiesl und Kaiser 2008 beim Living Dance Studio ihre ...
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Heinz Spoerli,
in einem Interview aus dem Jahr 2006 sagten Sie, Sie hätten Angst um das Ballett, dass es von den Bühnen verschwinden könnte. Geben Sie Entwarnung, oder sehen Sie diese Gefahr immer noch? Diese Befürchtung habe ich weiterhin. Genauer gesagt: Der künstlerische Tanz ist gefährdet. Mir geht es nicht um die Frage: klassischer oder moderner Tanz. Ich habe...
Es ist eine blutrünstige Story, die sich Christian Spuck vorgenommen hat. Sie erzählt, wie der machtversessene römische Kaiser Nero seine Frau Ottavia loswird und seine Kurtisane Poppea an ihrer Stelle zur Kaiserin krönt. Der designierte Leiter des Zürcher Balletts will nicht die von Claudio Monteverdi in seiner letzten Oper «L’incoronazione di Poppea» vertonte...
Immer wieder hat sich Heinz Spoerli auf «Schwanensee» eingelassen. Sein dritter Versuch aus dem Jahr 2005 ist das Ergebnis einer fast lebenslangen Beschäftigung. Beweist sich nicht gerade im Weglassen seine Kunst? Zürichs Ballettdirektor gelingt es, das Stück heutig erscheinen zu lassen, ohne seine Historie zu relativieren. Letztlich erzählt auch Spoerli «nur»...
