john neumeier, alessandra ferri
Ballettzentrum Hamburg, Samstagnachmittag, Büro John Neumeier: Der Choreograf sitzt hinter dem Schreibtisch und seufzt. Zu viel zu tun, zu viele Reisen, zu viele Anfragen … zu viel von allem eben. Außer davon: Proben mit einem Weltstar, mit Alessandra Ferri. Zu «Duse», einer kaleidoskopischen Phantasie über die italienische Schauspielikone (1858 – 1924), die das Theater ebenso revolutionierte wie ihre extravagante Rivalin, Sarah Bernhardt. Wo die eine dank grandioser Exzentrik faszinierte, ging die andere einfühlsam in ihren Figuren auf und brachte sie so zum Leuchten.
Den Sommer hat Neumeier mit Spurensuche verbracht. Er hat die diversen Wohnsitze der Duse besichtigt, was sie hinterließ, und ihr Grab. Genau wie das Domizil ihres Liebhabers Gabriele D‘Annunzio am Gardasee – «ein schrecklicher Ort, vollgestopfte Zimmer, aber nichts von Wert». Für ihn passt das zu dem Mann, dem Dichter, dessen schwülstige Dramen die Aktrice durchsetzen wollte – um jeden Preis und bis an den Rand des finanziellen Ruins. Der Hofierte bedankte sich mit dem Enthüllungsroman «Das Feuer» – und servierte sie nach zehn Jahren ab. Wie immer muss Neumeier alle Hintergründe kennen, um loszulegen. Heute hat er ...
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Tanz Dezember 2015
Rubrik: Menschen, Seite 14
von Dorion Weickmann
Five-six-seven-eight. Und Hüfte Hüfte Hüfte! And sexy, sweet and charming! Ironische Emphase, wildes Gefühl: Ein Ensemble verbreitet pure Begeisterung. Zehn Tänzer zur Reihe quer über die Bühne aufgestellt, mit dem Ur-Schrei des Tanzes angezählt, auf die «eight» werden dann wechselweise diverse Körperpartien gekurbelt, gekurvt, gewippt. Sie sind Protestler und...
Graue Panther sind passé. Stattdessen nennt Egon Madsen seine Passagiere «Greyhounds», auf Busunternehmen in Amerika und Australien anspielend. Alle vier sind schließlich ständig unterwegs, von einer Lebensstation zur anderen. Wohin die Reise führt, ob zielgerichtet geradeaus oder rechts ins Abseits – die Fahrbahnmarkierung von Flurin Borg Madsen lässt es offen....
Igor Zelensky soll auch nach Antritt seines Direktorenpostens beim Bayerischen Staatsballett im September 2016 weiterhin das Ballett des Stanislawski- und Nemirowitsch-Dantschenko-Musiktheaters in Moskau leiten. So steht es Schwarz auf Weiß im Newsletter des Bolshoi-Balletts. Nur die Ballettdirektion in Nowosibirsk werde er aufgeben. Toni Schmid,...
