brüssel: Wim Vandekeybus: «Talk to the Demon»
Eine bisweilen zu Großem fähige, vorrangig jedoch grausame Spezies – so porträtiert Wim Vandekeybus das Menschengeschlecht in «Talk to the demon», einem Stück, das ganz auf Musik verzichtet und allein die Tänzer in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. Es ist die menschliche, tief verwurzelte Angst, nicht geliebt zu werden, die der Belgier hinter der Fassade der Grausamkeit freilegt. Einzig Kinder – die hier die Hauptrollen spielen – scheinen vor diesem Schicksal gefeit.
Grausam die Eröffnungsszene: Luke Jessop, seit 2012 Kompaniemitglied von Ultima Vez, präsentiert dem Publikum ein «schwarzes» und ein «weißes» Kind und fordert es auf, eine Wahl zu treffen. Die ahnungslosen Zuschauer wählen das weiße Kind, dem prompt ein Prinzengewand umgehängt wird, während sich das schwarze Kind enttäuscht davontrollt. Fortan regiert das weiße Kind über die sechs Erwachsenen, die sich auf der Bühne bald als höchst unausstehliche Zeitgenossen erweisen: Zuerst drangsalieren sie den Marokkaner Yassin Mrabtifi. Als sie mit ihm fertig sind, suchen sie in ihrer eigenen Mitte nach dem nächsten Opfer, um es aufs Grausamste zu traktieren (selbst das Publikum bleibt nicht von Drohungen verschont), bis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Pieter T‘Jonck
newcomer_________
danya hammoud
Im Leben lacht sie, auf der Bühne nicht. In ihren Stücken geht es um Krieg oder die Stellung der Frau und andere Fragen, die mit Gewalt verbunden sind. Danya Hammoud stammt aus Beirut und hat vor, ihren Lebensschwerpunkt dort auch zu behalten: als Mitglied im Theaterkollektiv Zoukak, dessen Gründerin sie war. Zoukak besitzt, was für...
Das Haus riecht frisch. Noch erschließt es sich denen, die nun hier arbeiten, nicht auf Anhieb. Gianni Malfer wechselt ein paar Mal die Richtung und ein paar Mal den Korridor, bevor er die Tanzstudios der neuen Schule zeigt. Dann aber ist die Besucherin erschlagen: Da reiht sich ein Studio ans nächste, große und noch größere Säle, zehn insgesamt und einer schöner...
im november: hans van manen_________
Leichtfüßig vor sich hintänzelnd, erklärte er einem Mitglied der tanz-Redaktion unlängst: «Ich muss wieder mehr choreografieren.» Dabei hat Hans van Manen nicht nur mehr als 80 Jahre auf seinem Lebenskonto, sondern auch über 120 Werke in der dazugehörigen Kreativbilanz. Dem Ballett am Rhein und dessen Chef Martin Schläpfer...
