Gott des Gemetzels
Warum, fragt man sich irgendwann an diesem Abend, kommen die politischsten Schocker der europäischen Tanzgegenwart ausgerechnet aus Großbritannien? Von Kompanien und Choreografen, die frei flottieren, die weder erkleckliche Subventionen kassieren noch an festen Häusern residieren, aber Kunst mit ebenso viel Engagement betreiben wie Community-Arbeit und insofern an die Alltags-realitäten angeschlossen sind? Wieso formuliert kaum ein Tanzmacher auf dem Kontinent so gestochen scharf, was derzeit im Argen liegt – ohne die ästhetische Dimension zu zerfasern, penetrant zu verbeulen oder schlic
ht zu ignorieren?
Theater der Grausamkeit
Tatsache ist: Wie die Kollegen und Inselbewohner Hofesh Shechter und Wayne McGregor versteht sich auch Akram Khan auf ein formstrenges Theater der Grausamkeit. Auf einen Schrecken, dessen Schönheit man nie mehr vergisst. Der einen wehrlos mit sich fortreißt und einer Droge gleicht, die Beklemmung erzeugt und totale Euphorie. Die Überwältigung, die Khans jüngstes Meisterwerk «Outwitting the Devil» bei der Uraufführung im Rahmen des koproduzierenden Stuttgarter Festivals «Colours» ausgelöst hat, verliert sich nicht. In Träumen, Gedankenströmen zwischen ...
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Tanz November 2019
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann
ist es schon wieder so weit? Sind nicht gerade erst 8000 weiße Ballons entlang der Grenze hochgestiegen? Nein – das ist geschlagene fünf Jahre her! Aber vielleicht fliegen die Dinger ja noch irgendwo, dann hätte man sich den aktuellen Event eigentlich sparen können. Denn dieses Jahr soll wieder was fliegen, und zwar 30 000 Botschaften von Berlinern und...
Er war ein echtes Berliner Kind, der am 5. September 1946 geborene Bernd Dreyer. Und ein geborener Tänzer. Von 1961 bis 1966 besuchte er die Staatliche Ballettschule Berlin, damals noch in der Niederlagstraße. Nach einjährigem Zusatzstudium an der Waganowa-Akademie im einstigen Leningrad ging er 1967 ins Ballett der Deutschen Staatsoper, gewann 1973 beim...
Aus der Tiefe des Raumes in den Raum hinein fährt eine Brücke. Die Räder sind unsichtbar. Ein paar Stufen, ein Geländer links und rechts mit leuchtendem Neon-Ornament. Diese edle, ferngesteuerte Fußgängerbrücke, man darf im Friedrichstadt-Palast gern sagen: diese Showtreppe aus der aktuellen Revueproduktion «Vivid» ist nicht dazu da, einen großen Auftritt zu...
